5A_75/2020: Passivlegitimation im Abänderungsprozess (amtl. Publ.)

Im zur amtlichen Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil 5A_75/2020 vom 12.1.2022 ändert das Bun­des­gericht seine Recht­sprechung zur Pas­sivle­git­i­ma­tion bei Abän­derung von Kindesun­ter­halts­beiträ­gen, die durch das Gemein­we­sen bevorschusst wer­den. Bis­lang hat­te der Unter­halt­spflichtige, der seine Unter­haltss­chuld her­ab­set­zen oder aufheben lassen wollte, in diesen Fällen gemäss BGE 143 III 177 das Kind und das bevorschussende Gemein­we­sen gemein­sam ins Recht zu fassen. Gemäss neuem Leitentscheid…

5A_112/2020: Handhabung der Dispositionsmaxime im Unterhaltsrecht

Gemäss Bun­des­gericht­surteil 5A_112/2020 vom 28.3.2022 liegt keine Ver­let­zung der Dis­po­si­tion­s­maxime vor, wenn ein Gericht einen tief­er­en Ehe­gat­te­nun­ter­halts­beitrag zus­pricht als vom unter­halt­spflichti­gen Ehe­gat­ten anerkan­nt, solange der ins­ge­samt anerkan­nte Gesamt­be­trag aus Ehe­gat­ten- und Kinderun­ter­halt nicht unter­schrit­ten wird. Das Urteil ste­ht im Wider­spruch zur bish­eri­gen Prax­is des Bun­des­gerichts und bedarf daher sorgfältiger Einord­nung. Urteil­szusam­men­fas­sung Im zu beurteilen­den Fall rügte die Beschw­erde­führerin, die Vorinstanz…

5A_684/2024: Angemessene Dauer des nachehelichen Unterhalts (amt. Publ.)

…dem­nach knapp 18 Jahre. Die Ehe­frau war bere­its bei Eheschluss gesund­heitlich beein­trächtigt. Ein Zeug­nis des Hausarztes attestiert ihr eine Erkrankung an Mor­bus Crohn. Bere­its 1996 musste das gesamte Kolon ent­fer­nt wer­den, was weitre­ichende Kon­se­quen­zen für das Stuh­lver­hal­ten hat­te und eine plan­bare, kon­stante Tätigkeit ver­hin­derte. 2001 hat sie ihre Erwerb­sar­beit aufgegeben, sich ab diesem Zeit­punkt um den Haushalt geküm­mert und nach…

5A_476/2022: Berücksichtigung des Einkommens volljähriger Kinder in der Unterhaltsberechnung

…Urteil zeigt, nicht nur für das min­der­jährige, son­dern auch für das volljährige Kind. Dementsprechend obliegt es dem Gericht zu bes­tim­men, welch­er Anteil des Erwerb­seinkom­mens eines volljähri­gen Kindes in die Unter­halts­berech­nung einzubeziehen ist. Mass­gebend sind die Umstände des Einzelfalls. Die teil­weise noch vorherrschende Prax­is, das Erwerb­seinkom­men des Kindes ab Volljährigkeit schema­tisch und ohne Begrün­dung voll in die Unter­halts­berech­nung einzubeziehen, ist unzulässig.…

5A_1025/2020: Vorsorgliche Massnahmen vor Rechtshängigkeit der selbständigen Kinderunterhaltsklage

Im Urteil 5A_1025/2020 vom 30.8.2021 äusserte sich das Bun­des­gericht zur umstrit­te­nen Frage, ob vor Ein­leitung ein­er selb­ständi­gen Kinderun­ter­halt­sklage vor­sor­gliche Mass­nah­men beantragt wer­den kön­nen. Gemäss den bis zum Inkraft­treten der ZPO mass­ge­blichen aArt. 281 Abs. 1 und 2 ZGB waren vor­sor­gliche Mass­nah­men erst zuläs­sig, nach­dem die selb­ständi­ge Unter­halt­sklage recht­shängig war: “Ist die Klage ein­gere­icht, so trifft das Gericht auf Begehren des Klägers…

5A_294/2021: Kompetenzabgrenzung zwischen Eheschutz- und Scheidungsgericht (amtl. Publ.)

Im zur amtlichen Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil 5A_294/2021 vom 7.12.2021 äussert sich das Bun­des­gericht ein weit­eres Mal zur Kom­pe­ten­z­ab­gren­zung zwis­chen dem Eheschutz- und dem Schei­dungs­gericht. Es beant­wortet die zwis­chen kan­tonalen Höch­st­gericht­en umstrit­tene Rechts­frage, ob das Eheschutzgericht Tat­sachen, die sich erst nach Ein­leitung des Schei­dungsver­fahrens ereignet haben, bei seinem Entscheid zu berück­sichti­gen hat. Es bejaht diese Frage. Urteil­szusam­men­fas­sung Das Bun­des­gericht erwägt, ein Sachentscheid…

5A_967/2023: Richterliche Fragepflicht bei der Bewertung von Wertschriften in der güterrechtlichen Auseinandersetzung

Im Urteil 5A_967/2023 vom 4. Novem­ber 2024 äussert sich das Bun­des­gericht zur Trag­weite der Bewe­is­führungslast bei der Bew­er­tung von Wertschriften, die bei der güter­rechtlichen Auseinan­der­set­zung in die Errun­gen­schaft fall­en. Es hält fest, dass das Gericht grund­sät­zlich verpflichtet ist, im Rah­men der richter­lichen Fragepflicht Urkun­den über den Wert der Wertschriften im Zeit­punkt der Liq­ui­da­tion des Güter­standes einzu­holen, wenn die Parteien rechtsgenügliche…

6B_336/2021: Beschwerdelegitimation der Erben im Strafverfahren (amtl. Publ.)

…wer gegebe­nen­falls hierzu ermächtigt ist. Sinn und Zweck ein­er trans­mor­tal­en Voll­macht ist es u.a., die ver­mö­gen­srechtliche Inter­essen­wahrung nach dem Tod des Erblassers bis zur Ausstel­lung der Erbbescheini­gung sicherzustellen, um so die oft­mals lange Zeit bis zur Legit­i­ma­tion der Erben zu über­brück­en (E. 4.2). In diesem Sinne hiess das Bun­des­gericht die im Namen der Erben erhobene Beschw­erde der Rechtsvertreterin gut (E. 5).…

5A_488/2018: Der britische Personal Representative in der Betreibung einer Erbschaft (Art. 49 SchKG; amtl. Publ., frz.)

Erbrecht (E. 4. und 4.1.). Das Bun­des­gericht stellte in diesem Zusam­men­hang fest, dass nach englis­chem Recht die Erben ihre Erbschaft­san­teile durch einen Inter­mediär, den Per­son­al Rep­re­sen­ta­tive, erhal­ten. Dessen Auf­gaben bestün­den im Wesentlichen darin, die Ver­mö­genswerte des Erblassers aufzunehmen und sicherzustellen, zu inven­tarisieren und sie im Inter­esse der Erben zu ver­wal­ten (ins­beson­dere auch mit Gläu­bigern zu ver­han­deln und Schulden zu begleichen)…

5A_434/2016: Schuldner-Erbe hat bei Anwendung von Art. 609 ZGB keinerlei Mitwirkungsrechte

…die Auf­sichts­be­hörde in Betrei­bungs- und Konkurssachen das Betrei­bungsamt an, die Auflö­sung und Liq­ui­da­tion der Erbenge­mein­schaft unter Mitwirkung der zuständi­gen Behörde zu ver­an­lassen und den auf den Anteil ent­fal­l­en­den Erlös an die Pfandgläu­biger zu verteilen. Das Betrei­bungsamt ersuchte das Bezirks­gericht als zuständi­ge Behörde (Art. 609 ZGB i.V.m. § 72 EGZGB/AG) um Mitwirkung bei der Erbteilung an Stelle von X. Die Erbinnen…