4A_90/2021: Missbräuchliche Berufung auf ein vor Einleitung des Schiedsverfahrens zwingend durchzuführendes Schlichtungsverfahren

…der Beschw­erdegeg­ner­in­nen, anstelle der mündlichen Ver­hand­lung einen Schlich­tungsver­such (ohne Beteili­gung des Schieds­gerichts) durchzuführen, ohne Weit­eres abgelehnt. Unter diesen Umstän­den ver­bi­ete es Art. 2 ZGB, sich im Nach­hinein auf die Nich­tauss­chöp­fung des oblig­a­torischen Schlich­tungser­forderniss­es zu berufen. Dies habe das Schieds­gericht zu Recht erkan­nt. Damit beste­he auch kein Raum für die even­tu­aliter begehrte Sistierung des Schiedsver­fahrens. Dementsprechend wurde die Beschw­erde abgewiesen, soweit darauf einge­treten wer­den konnte.…

5A_355/2012: auch nicht-LugÜ-Urteile (inkl. Schiedsentscheide) sind def. Rechtsöffnungstitel; jeweils kein eigenes Exequaturverfahren erforderlich (amtl. Publ.)

Im vor­liegen­den Grund­satzentscheid war die dop­pelte Frage strit­tig, ob erstens ein aus­ländis­ch­er Schied­sentscheid einen defin­i­tiv­en Recht­söff­nungsti­tel (hier: als Arrest­grund von SchKG 271 Abs. 1 Ziff. 6) darstellt, und zweit­ens ob zuvor ein eigenes, kon­tradik­torisches Exe­quaturver­fahren durch­laufen wer­den muss:  Il s’agit de déter­min­er s’il est arbi­traire, au sens de l’art. 9 Cst., de retenir que le juge du séquestre peut déclar­er exé­cu­toire, à titre…

Begrenzung der Privilegierung von Lohnforderungen beabsichtigt

…Umfang unter­liegen. Das nach gel­ten­dem Recht unlim­i­tierte Priv­i­leg kann beschränkt wer­den, ohne dass es seines sozialen Charak­ters ver­lustig geht. Zu beto­nen ist ausser­dem, dass ein Arbeit­nehmer den darüber hin­aus­ge­hen­den Teilanspruch nicht ver­liert, son­dern diesen weit­er­hin als gewöhn­liche Kur­rent­forderung in der drit­ten Klasse gel­tend machen kann.” Exzes­siv sind also Löhne über CHH 126’000 pro Jahr. Damit soll SchKG 219 IV lit.…

8C_832/2014: Liquidation der Gesellschaft nach Art. 731b OR löst Insolvenzentschädigung aus (amtl. Publ.)

…Gerichts liege, ob eine Gesellschaft als Folge des Organ­i­sa­tion­s­man­gels aufgelöst und liq­ui­diert wird. In seinen Rechts­fol­gen komme der richter­liche Auflö­sungsentscheid nach Art. 731b OR ein­er Konkurs­eröff­nung nach SchKG gle­ich. Nach dem Auflö­sungsentscheid werde die Angele­gen­heit durch das Gericht an das zuständi­ge Konkur­samt über­wiesen, damit es die Liq­ui­da­tion nach den Bes­tim­mungen des Konkurs­es durch­führt. Unter diesen Umstän­den beste­ht nach Auf­fas­sung des…

5A_491/2013: Ausländische Urteile im schweizerischen Kollokationsprozess nicht verbindlich / Kollokationsklagen fallen nicht unter das LugÜ (amtl. Publ.)

…Nach­lassver­fahren der SAir­Group AG und der SAir­Lines AG Forderun­gen im Umfang von mehreren Mil­liar­den Franken angemeldet, welche von den Nach­lass-Liq­uida­toren nicht zuge­lassen wor­den waren. Gegen die abweisenden Kol­loka­tionsver­fü­gun­gen hat­ten die Gläu­biger (Beschw­erde­führer) Kol­loka­tion­skla­gen gemäss Art. 250 Abs. 1 SchKG gegen die Nach­lass­massen erhoben. Mit Urteil vom 22. Feb­ru­ar 2011 hat­te der Einzel­richter am Bezirks­gericht Zürich die Kla­gen abgewiesen. Hierge­gen waren…

5A_1023/2015: Frist zur Erhebung der Klage auf Feststellung des Pfandrechts an Miet- und Pachtzinsen (Art. 152 Abs. 2 SchKG; Art. 806 ZGB; Art. 91 ff. VZG)

Gemäss Art. 806 ZGB erstreckt sich die Pfand­haft, wenn das verpfän­dete Grund­stück ver­mi­etet oder ver­pachtet ist, auch auf die Miet- oder Pachtzins­forderun­gen, die seit Anhebung der Betrei­bung auf Ver­w­er­tung des Grundp­fan­des oder seit der Eröff­nung des Konkurs­es über den Schuld­ner bis zur Ver­w­er­tung auflaufen. Gemäss Art. 152 Abs. 2 SchKG teilt das Betrei­bungsamt den Mietern oder Pächtern die Anhebung der…

5D_139/2007: Anwaltsmonopol im SchKG-Beschwerdeverfahren

…war. Das Anwaltsmonopol gilt gem. Art. 40 BGG nur in Ziv­il- und Straf­sachen, weshalb zu prüfen war, in welchen Fällen im Anwen­dungs­bere­ich der sub­sidiären Ver­fas­sungs­beschw­erde eine Ziv­il- oder Straf­sache vor­liegt. Das BGer führte zu dieser Frage aus, dass im neuen Recht gemäss BGG sämtliche SchKG-Angele­gen­heit­en nach Art. 72 Abs. 2 lit. b BGG generell der Beschw­erde in Zivil­sachen zugewiesen worden…

5A_760/2018: definitive Rechtsöffnung, Begriff der vollstreckbaren Verfügung (Art. 80 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG)

…nicht bestrit­ten hat­te (E. 3.3.), schadete dem Schuld­ner daher nicht.  Schliesslich prüfte das Bun­des­gericht, ob das als „2. Mah­nung und Betrei­bungsan­dro­hung“ betitelte Doku­ment als Ver­fü­gung i.S.v. Art. 80 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG zu qual­i­fizieren ist (E. 3.4.). Nach der Recht­sprechung zeichne sich eine solche Ver­fü­gung „als eine behördliche Anord­nung aus, mit welch­er der Adres­sat zur Leis­tung eines bes­timmten Geld­be­trages an…

5A_83/2011: Erklärung der Tilgung durch Verrechung als Bedingung oder nur Modalität einer Schuldanerkennung iSv SchKG 82 I

Das BGer hält, dass eine Schul­dan­erken­nung als bed­ingt gilt, wenn der Schuld­ner erk­lärt, die anerkan­nte Schuld auss­chliesslich durch Ver­rech­nung tilgen zu wollen (schon 5P.464/2006). Im Recht­söff­nungsver­fahren (vgl. SchKG 82 I) hat der Gläu­biger infolgedessen auch die Bedin­gung nachzuweisen, näm­lich das Fehlen der Ver­rech­nungslage: En effet, lorsque le débi­teur affirme ou réserve son droit de com­penser, la recon­nais­sance de dette ne…

5A_46/2018: provisorische Rechtsöffnung (Art. 82 SchKG) / Aktivlegitimation von Erben

Im vor­liegen­den Urteil ging es um die Aktivle­git­i­ma­tion von Erben im Recht­söff­nungsver­fahren.  A. und B. hat­ten (als Erben des D.) den Schuld­ner C. betrieben und später gestützt auf einen Dar­lehensver­trag zwis­chen D. und C. die pro­vi­sorische Recht­söff­nung ver­langt. Diese wurde teil­weise ver­weigert, woge­gen A. und B. schliesslich Beschw­erde ans Bun­des­gericht erhoben. Das Bun­des­gericht erin­nerte zunächst (E. 1.1.) ganz grundle­gend daran,…