5A_662/2010: ZGB 216 lex specialis zu ZGB 512; erbvertragliche Formerfordernisse auf Vorschlagszuweisung nicht anwendbar (amtl. Publ.)

Die Ehe­gat­ten kön­nen die Vorschlags­beteili­gung in gewis­sen Gren­zen ehev­er­traglich ändern (ZGB 216 I). Dadurch kann der über­lebende Ehe­gat­te begün­stigt wer­den. Die Recht­snatur dieser Begün­s­ti­gung ist nicht ganz gek­lärt (Ver­fü­gung von Todes wegen oder unter Leben­den). Im vor­liegen­den Urteil lässt das BGer diese Frage offen. In jedem Fall sei die Beobach­tung der Form des Ehev­er­trags genü­gend; die erbrechtlichen For­men müssen nicht…

BGer 5A_564/2023, 5A_582/2023 vom 26. Oktober 2023: Erbenvertretung — Anordnung und Vergütungsfragen

In diesem Entscheid äusserte sich das Bun­des­gericht detail­liert zum Insti­tut der Erben­vertre­tung nach Art. 602 Abs. 3 ZGB (E. 2.). Die Ein­set­zung ein­er Erben­vertre­tung gilt als vor­sor­gliche Mass­nahme nach Art. 98 BGG und kann daher vor Bun­des­gericht einzig auf die Ver­let­zung ver­fas­sungsmäs­siger Rechte gerügt wer­den. Das Bun­des­gericht verneinte eine willkür­liche Ermessen­sausübung der Vorin­stanz, welche bei der Man­datierung ein­er Grosskan­zlei als Erbenvertreterin…

BGE 151 III 239: Betreibung einer unverteilten Erbschaft — Bezeichnung der Schuldnerin und Zustellung des Zahlungsbefehls

Das BGer gibt in diesem Entscheid einen hil­fre­ichen Überblick über einige Grund­sätze der Betrei­bung ein­er unverteil­ten Erb­schaft: Der Betrei­bung­sort ist grund­sät­zlich der let­zte Wohn­sitz des Erblassers. Lautet die Betrei­bung allerd­ings auf Ver­w­er­tung eines Grundp­fands, welch­es auf einem Nach­lass­grund­stück lastet, ist die Betrei­bung zwin­gend am Bele­gen­heit­sort einzuleit­en (Art. 49, Art. 51 Abs. 2 SchKG; E. 2.3). Die Schuld­ner­in ist im Betreibungsbegehren…

BGer 5A_99/2023 vom 11. Juli 2023 (amtl. Publ.): Abgrenzung der zivil- und aufsichtsrechtlichen Verantwortlichkeit der Willensvollstreckerin

In diesem Entscheid äusserte sich das Bun­des­gericht zur Abgren­zung der ziv­il- und auf­sicht­srechtlichen Ver­ant­wortlichkeit ein­er Wil­lensvoll­streck­erin im Zusam­men­hang mit deren Auskunfts‑, Infor­ma­tions- und Rechen­schaft­spflicht­en. Die Wil­lensvoll­streck­erin ist gegenüber den Erben zur Auskun­ft und Rechen­schaft verpflichtet (Art. 518 i.V.m. Art. 607 Abs. 3 und 610 Abs. 2 ZGB). Fehlende oder falsche Auskün­fte kön­nen zu ein­er zivil­rechtlichen Haf­tung führen (Art. 398 Abs.…

Modernisierung der Familienstiftung als Alternative zum Schweizer Trust: Rechtskommission des Ständerats tritt auf die Motion von Thierry Burkhart ein

Die Recht­skom­mis­sion des Stän­der­ates beantragte in ihrer Sitzung vom 7. Novem­ber 2023 die Annahme der Motion von Thier­ry Burkart “Die Schweiz­er Fam­i­lien­s­tiftung stärken. Ver­bot der Unter­haltss­tiftung aufheben”. Die Recht­skom­mis­sion unter­stützt damit den Antrag des Bun­desrates, die Motion “Ein­führung des Trusts in die schweiz­erische Recht­sor­d­nung” abzuschreiben. Der Bun­desrat hat­te dem Par­la­ment die Abschrei­bung der Motion zur Ein­führung eines Schweiz­er Trusts vorgeschlagen,…

9C_479/2011: Zugehörigkeit von Freizügigkeitseinrichtungen zur beruflichen Vorsorge

…(BGE 129 III 305 E. 3.3 S. 312 mit Hin­weis auf Thomas Koller, Fam­i­lien- und Erbrecht und Vor­sorge, in: recht, Stu­di­en­heft 4, 1997, S. 25). Eine Weit­er­führung (unter anderem) des Inva­lid­itätsver­sicherungss­chutzes gemäss BVG durch die Freizügigkeit­spo­lice ist denn auch nur auf fakul­ta­tiv­er Basis vorge­se­hen. Weit­er führte das Bun­des­gericht aus, dass BVG und FZG zwar die Erhal­tung des Vor­sorgeschutzes vorschreiben, die…

Kt. ZH: Gutachten zur steuerlichen Behandlung von persönlichen Holdinggesellschaften

…Form eines steuer­rechtlichen Durch­griffs scheint nicht möglich, wenn (i) die per­sön­liche Hold­ingge­sellschaft sel­ber oder mit­tels ihrer Tochterge­sellschaften eine (echte) unternehmerische Tätigkeit ausübt oder (ii) für die Ein­bringung des pri­vat­en Wertschriftenbe­standes in eine per­sön­liche Hold­ingge­sellschaft nicht steuer­lich motivierte Gründe vorherrschend sind, son­dern z.B. haf­tungsrechtliche oder erbrechtliche Gründe. Steuerumge­hung in Form eines steuer­rechtlichen Durch­griffs scheint möglich, wenn die ein­brin­gende natür­liche Person(i) die…

5A_473/2011: IPRG 88 I, 91 I, 95 I: auf Erbverträge bei Nachlasspaltung anwendbares Recht (amtl. Publ.)

…hier — nach dem Recht am Ort des Ver­tragsab­schlusses zuläs­sig ist. Der Anwen­dungs­bere­ich des ordre pub­lic im Erbrecht ist insoweit eingeschränkt […]. Der Befund entspricht offen­bar ein­er all­ge­meinen Ten­denz, die für andere Staat­en mit einem aus­drück­lichen Erb­ver­tragsver­bot fest­gestellt wird.  Der Erb­ver­trag war daher nach schweiz­erischem Recht nach dem Ver­trauen­sprinzip auszule­gen. Das BGer prüft in der Folge mehrere Aspek­te des Erbvertrags,…

5A_208/2019: Die Voraussetzungen einer Ungültigkeitsklage und eines Irrtums beurteilen sich nach dem Erbstatut

…der Ver­fü­gung von Todes wegen in der Sache abhängig sei. Mit anderen Worten falle die pro­fes­sio iuris nicht dahin, wenn die Ver­fü­gung von Todes wegen in der Sache nach dem vom Erblass­er beze­ich­neten Recht ungültig oder anfecht­bar sei (E. 5.2). Weit­er gelangte das Bun­des­gericht zum Schluss, dass die erbrechtlichen Kla­gen und damit die Voraus­set­zun­gen der Ungültigkeit­sklage dem Erb­statut nach Art.…

4A_145/2023: Vorkaufsrecht (amtl. Publ.)

…das Bun­des­gericht, all­ge­mein kein Vorkaufs­fall vor, wenn ein Geschäft unter der speziellen Berück­sich­ti­gung der per­sön­lichen Beziehun­gen abgeschlossen werde, wie namentlich beim Erb­vor­bezug respek­tive wenn ein Grund­stück an einen geset­zlichen Erben mit Rück­sicht auf dessen kün­ftiges Erbrecht über­tra­gen werde, sodass sich die Veräusserung als eine vor­weggenommene Regelung der Erb­folge darstelle. An diese Recht­sprechung habe sich das Bun­des­gericht gehal­ten und die Beschwerdeführerin…