2C_150/2016: Strafbarer Verstoss gegen Höchstarbeitszeit bei Entsendung in die Schweiz

…Bun­des­gericht fest, dass Ver­stösse gegen Vorschriften über die Arbeits- und Ruhezeit­en grund­sät­zlich nicht weniger schw­er wiegen als Ver­stösse gegen Vorschriften über den Gesund­heitss­chutz und die Arbeitssicher­heit. Bei­de Rechtsgutver­let­zun­gen seien unter Strafe gestellt (Art. 59 ArG; E. 3.3.3). Nach Schweiz­er Recht beste­he die Möglichkeit, die vorsät­zliche Ver­let­zung von Vorschriften über die Arbeits- und Ruhezeit auch ohne vorgängige admin­is­tra­tive Ver­war­nung strafrechtlich zu…

Bundesrat: Harmonisierung der Strafrahmen auf der Grundlage des neuen Sanktionensystems

Die Strafrah­men im Beson­deren Teil des Strafge­set­zbuch­es (BT des StGB), im Mil­itärstrafge­setz (MStG) und im Nebenstrafrecht sollen auf der Grund­lage des neuen Sank­tio­nen­sys­tems har­mon­isiert wer­den. Erst­mals wird in einem umfassenden Querver­gle­ich geprüft, ob die Straf­bes­tim­mungen der Schwere der Straftat­en entsprechen und aus­re­ichend aufeinan­der abges­timmt sind. Der Bun­desrat hat ver­gan­gene Woche entsch­ieden, diese Geset­zes­re­vi­sion zurück­zustellen, um sie bess­er mit der vorgeschla­ge­nen Änderung…

6B_235/2010: Widerruf der bedingten Entlassung

…ein Gesamt­bild der Täter­per­sön­lichkeit uner­lässlich. Rel­e­vante Fak­toren sind etwa strafrechtliche Vor­be­las­tung, Sozial­i­sa­tions­bi­ogra­phie und Arbeitsver­hal­ten, das Beste­hen sozialer Bindun­gen, Hin­weise auf Sucht­ge­fährdun­gen usw. Dabei sind die per­sön­lichen Ver­hält­nisse bis zum Zeit­punkt des Entschei­des mit einzubeziehen. Es ist unzuläs­sig, einzel­nen Umstän­den eine vor­rangige Bedeu­tung beizumessen und andere zu ver­nach­läs­si­gen oder über­haupt auss­er Acht zu lassen. Wie bei der Strafzumes­sung (Art. 50 StGB)…

1C_63/2015, 1C_109/2015, 1C_237/2015, 1C_293/2015: Das Resultat der Abstimmung zur Volksinitiative “Gegen Masseneinwanderung” ist der bundesgerichtlichen Überprüfung nicht (mehr) zugänglich

…Per­so­n­en durch das Region­al­gericht Ende April 2015 erken­nen kön­nen, dass das umstrit­tene Plakat strafrechtlich rel­e­vant sein kön­nte, beziehen sie sich nicht auf Fak­ten, die zur Zeit der Abstim­mung bere­its vorhan­den, aber noch unbekan­nt waren bzw. unbeachtet bleiben kon­nten […] (E. 4.2.).  Das BGer kommt vor diesem Hin­ter­grund zum Schluss, dass die Voraus­set­zun­gen für eine Neubeurteilung des bere­its abgeschlosse­nen Abstim­mungsver­fahrens nicht gegeben…

5A_706/2022: Zur Zumutbarkeit beim Volljährigenunterhalt

…ver­langten psy­chi­a­trische Begutach­tung vor­wirft, sie wür­den verken­nen, dass es bei der Frage, ob dem Kind die Zer­rüt­tung des Eltern-Kind-Ver­hält­niss­es sub­jek­tiv vorge­wor­fen wer­den könne, wed­er um die Schuld­fähigkeit im strafrechtlichen Sinne noch um zivil­rechtliche Urteils­fähigkeit gehe. Dem ist zu wider­sprechen. Was, wenn nicht die Schuld- bzw. die Urteils­fähigkeit soll mass­gebend sein, wenn man darüber entschei­den muss, ob das Kind schuld­haft handelte?…

2C_500/2020: Offenlegung von Vergleichsvorschlägen, Verletzung von Art. 12 lit. a BGFA

…Bun­des­gericht schützte diese Begrün­dung (E. 5.5). Bei der Wahl der Mit­tel sei der Anwalt, so das Bun­des­gericht, auf geset­zeskon­forme Mit­tel beschränkt. In diesem Sinne sei es dem Anwalt unter anderem unter­sagt, zu Beweiszweck­en Urkun­den zu fälschen. Darüber hin­aus sei es — auch unter­halb ein­er strafrechtlichen Ver­ant­wortlichkeit — nicht mit der Verpflich­tung zur sorgfälti­gen und gewis­senhaften Beruf­sausübung vere­in­bar, wenn der Anwalt…

6B_265/2020: Keine Schändung durch Stealthing (amtl. Publ.)

Im Urteil 6B_265/2020 vom 11. Mai 2022 entsch­ied das Bun­des­gericht über einen poten­ziellen Fall von Schän­dung, nach­dem ein Beschuldigter nach Beginn eines ein­vernehm­lichen Geschlechtsverkehrs das Kon­dom ent­fer­nt hat­te, ohne dass die Sex­u­al­part­ner­in dies erken­nen kon­nte, und den Verkehr fort­ge­set­zt hat­te (sog. Stealth­ing). Die Part­ner­in habe sich zuvor aus­drück­lich geschützten Geschlechtsverkehr aus­bedun­gen. Die strafrechtliche Rel­e­vanz des Stealth­ing wird anhand des Tatbe­stands der Schän­dung (Art.…

ZIS-Beitrag: Internal Investigations

In der aktuellen Aus­gabe der Zeitschrift für Inter­na­tionale Strafrechtsdog­matik (ZIS 6/2011) find­et sich der Beitrag “Inter­nal Inves­ti­ga­tions zwis­chen arbeit­srechtlich­er Mitwirkungspflicht und straf­prozes­sualer Selb­st­be­las­tungs­frei­heit” von Carsten Mom­sen. Der Auf­satz berück­sichtigt zwar vor allem das deutsche Recht, ist aber auch für schweiz­erische Leser inter­es­sant. Weit­ere Beiträge in dieser ZIS-Aus­gabe sind u.a.: “Voraus­set­zun­gen straf­bar­er Kor­rup­tion in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft” von Urs Kindhäuser;…

FINMA: Vernehmlassung zur Änderung des Börsengesetzes betreffend Börsendelikte und Marktmissbrauch

Im Vernehm­las­sungsver­fahren zur Änderung des Börsen­ge­set­zes (weit­ere Infor­ma­tio­nen des EFD) hat auch die FINMA Stel­lung genom­men.  Die FINMA hat sich u.a. für die Über­führung des Insid­erver­bots und der Kurs­ma­n­ip­u­la­tion vom Strafge­set­zbuch ins Börsen­ge­setz, die Ein­führung ein­er all­ge­meinen Mark­tauf­sicht sowie die Ein­führung ein­er Ver­wal­tungs­busse für Teil­beauf­sichtigte aus­ge­sprochen. Fern­er befür­wortete die FINMA die Zuständigkeit der Bun­de­san­waltschaft und der Bun­des­gerichte für die strafrechtliche…

Rechtsgrundlagen für die IKT-Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Kantonen (Gutachten des BJ)

…Bun­des ableit­en. Demge­genüber ist der Bund befugt, dort Vor­gaben zu machen, wo er auch Rechts­set­zungskom­pe­ten­zen hat, die sich nicht auf Grund­sätze beschränken, etwa im Ziv­il- oder Strafrecht. Eine all­ge­meine Bun­deskom­pe­tenz müsste dage­gen auf Ver­fas­sungsstufe geschaf­fen wer­den. Denkbar wäre fern­er eine All­ge­mein­verbindlicherk­lärung von interkan­tonalen Verträ­gen, eine Vere­in­barung zwis­chen dem Bund und den Kan­to­nen oder eine Förderung von Stan­dards und “Best Practices”…