6B_218/2015: Überspitzter Formalismus bei Nichteintreten auf Berufung wegen Unterschrift durch Kanzleimitarbeiterin (amtl. Publ.)

Das Bun­des­gericht hat seine langjährige Rechtsprechung zur formellen Rechtsver­weigerung bei Nichtein­treten auf Rechtsmit­tel wegen fehlen­der Unter­schrift bestätigt und konkretisiert (6B_218/2015; amtl. Publ.). Die Vorin­stanz hat­te fest­ge­hal­ten, die Beru­fung der Beschw­erde­führerin habe nicht die Unter­schrift ihres Rechtsvertreters oder ein­er anderen vertre­tungs­berechtigten Per­son getra­gen, son­dern sei von ein­er Kan­zleim­i­tar­bei­t­erin des Rechtsvertreters wegen dessen ferienbe­d­ingter Abwe­sen­heit unterze­ich­net wor­den. Dieser Man­gel sei nicht innerhalb…

5A_462/2013: Überflüssige Rücksprache mit einem Parteivertreter lässt Einzelrichter und Gerichtsschreiberin befangen werden

…sie ihm auf den Anruf­beant­worter, er solle sie bis 16.30 Uhr zurück­rufen, da son­st die “Gesuchs­geg­n­er­schaft” wie von ihm in der Eingabe beze­ich­net aufgenom­men werde. Der Rechtsvertreter rief zurück und die Gerichtss­chreiberin informierte ihn dahinge­hend, dass das zu belas­tende Grund­stück im hälfti­gen Eigen­tum von A. und B. ste­he, worauf der Rechtsvertreter beantragte, die Gesuchs­geg­n­er­schaft um B. zu erweit­ern. In der…

Konferenzielle Vernehmlassung zur Revision des Kartellgesetzes

…der Form der Abre­den an und erk­lärt diese im vorgeschla­ge­nen Art. 5 Abs. 2 E‑KG unter Vor­be­halt der Rechtfer­ti­gung für per se unzuläs­sig: Fol­gende Abre­den sind vor­be­hältlich ein­er Rechtfer­ti­gung aus Grün­den der wirtschaftlichen Effizienz stets unzuläs­sig: […] Das neu vorgeschla­gene Teilka­rtel­lver­bot mit Rechtfer­ti­gungsmöglichkeit soll laut dem erläutern­den Bericht “nicht nur ein­fachere, schnellere Ver­fahren und mehr Rechtssicher­heit für Unternehmen wie Behör­den” bringen,…

7B_1024/2023: Beschwerdelegitimation bei Abtreibung

…er sei als Kinds­vater des von sein­er Fre­undin abgetriebe­nen Fötus als “Opfer” anzuse­hen und damit in Bezug auf die Ein­stel­lung des Strafver­fahrens zur Beschw­erde zuzu­lassen (E. 3.1). Zur Beschw­erde gegen die Ein­stel­lung eines Strafver­fahrens ist berechtigt, wer sel­ber Träger des von der entsprechen­den Straf­bes­tim­mung geschützten Rechtsguts ist oder wer Ange­höriger des Opfers ist: Die geschädigte Per­son kann als Pri­vatk­lägerin zivilrechtliche…

4A_475/2013: UWG 8: keine Rückwirkung auf vor dem 1.7.12 eingetretene Vertragsverlängerungen (amtl. Publ.)

…zu schützen, und das neue Recht ist aus diesem Grund jeden­falls nicht auf diese vor seinem Inkraft­treten einge­tretene und abgeschlossene ver­tragliche Rechtswirkung anwend­bar […]. Damit bleibt offen, UWG 8 in anderen Kon­stel­la­tio­nen auf altrechtliche Verträge zur Anwen­dung kom­men kann, d.h. in Fällen, wo nicht eine Ver­tragsver­längerung, son­dern eine andere möglicher­weise miss­bräuch­liche Klausel (zB über­schiessende Enthaf­tun­gen, eine ungerecht­fer­tigte Risikoverteilung etc.) zur Diskus­sion steht.…

4A_305/2013: Bundesgericht ist an die Feststellung des Schiedsgerichts gebunden, dass die Parteien gemäss deren übereinstimmenden wirklichen Willen eine Schiedsvereinbarung aufheben wollten

…für das Bun­des­gericht verbindlich ist (Art. 105 Abs. 1 BGG).   Das Bun­des­gericht fol­gte auch nicht dem Argu­ment der Beschw­erde­führerin­nen, wonach ihr rechtlich­es Gehör auf­grund ein­er über­raschen­den Rechtsan­wen­dung ver­let­zt wor­den sei (E. 4): Die Beschw­erde­führerin­nen rügen weit­er eine Ver­let­zung ihres rechtlichen Gehörs (Art. 190 Abs. 2 lit. d IPRG) durch über­raschende Rechtsan­wen­dung, indem das Schieds­gericht den Grund­satz der Autonomie der Schiedsklausel ”…

4A_407/2012: Anforderungen an die Rüge von Verfahrensmängeln im Schiedsverfahren; rechtliches Gehör

…zu beseit­i­gen. Damit war das Recht, sich vor Bun­des­gericht auf eine Ungle­ich­be­hand­lung i.S. von Art. 190 Abs. 2 lit. d IPRG zu berufen, ver­wirkt. Das BGer verneinte schliesslich eine Ver­let­zung des Anspruchs auf rechtlich­es Gehör wegen über­raschen­der Rechtsan­wen­dung, obwohl sich das Schieds­gericht bei der Ausle­gung ein­er “rea­son­able endeavours”-Klausel [vgl. dazu den lesenswerten Auf­satz von Ken Adams] auf die Lehre vom…

4A_35/2014 (amtl. Publ.): Prüfung, ob die Parteien vereinbart hatten, dass ein Binnenschiedsspruch bei einem kantonalen Gericht angefochten werden kann

Rechtmit­tel­belehrung hät­ten haben müssen. A war anwaltlich vertreten und die Rechtsmit­tel­belehrung war nicht vom Schieds­gericht selb­st, son­dern von einem Sekretär des Schieds­gerichts unter­schrieben wor­den, dessen Stel­lung und Funk­tion nicht näher umschrieben wor­den war. Schliesslich erk­lärte der Vor­sitzende des Schieds­gerichts in einem Schreiben, dass die Parteien vor Ablauf der Rechtsmit­tel­frist erhal­ten hat­ten, dass eine Beschw­erde nicht an das kan­tonale Gericht, son­dern an einen der beiden…

1C_453/2020, 1C_693/2020: Festlegung des Gewässerraums der Muota / Mindestmass unterschritten (amtl. Publ.)

Im zur amtlichen Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2021 beschäftigte sich das BGer schw­ergewichtig mit der Gewässer­raum­festle­gung am rechten Ufer der Muo­ta in der Schwyz­er Gemeinde Ingen­bohl und der Erneuerung des Camp­ing­platzes Hopfräben. Die grun­deigen­tümerverbindliche Fes­tle­gung des Gewässer­raums am rechten Ufer der Muo­ta ist Gegen­stand ein­er Nutzungs­plan­re­vi­sion der Gemeinde Ingen­bohl. Vorge­se­hen ist am rechten Ufer ein Gewässer­raum von 15…

5A_29/2007: Paulianische Anfechtung ZKB/SAirGroup

…im Zeit­punkt der anfecht­baren Hand­lung erkan­nt habe (Tat­frage) oder bei pflicht­gemäss­er Aufmerk­samkeit hätte erken­nen kön­nen und müssen (Rechtsfrage) (E. 4.2). Sodann hält das BGer fest, dass die Schädi­gungsab­sicht und deren Erkennbarkeit durch Organe oder rechtsgeschäftlich bestellte Vertreter der juris­tis­chen Per­son (bzw. dem Vertrete­nen) anzurech­nen sind (E. 4.3). Das Bun­des­gericht bestätigt die vorin­stan­zliche Rechtsauf­fas­sung (E. 5). Uneinigkeit zwis­chen dem Bun­des­gericht und…