4D_76/2020: Schlichtungsbehörde als Entscheidbehörde, Anwendung der Vorschriften des vereinfachten Verfahrens (amtl. Publ.)

Gegen­stand dieses Urteils war ein Schlich­tungsver­fahren, in welchem die Klägerin einen Betrag von rund CHF 1’800 ein­klagte und beantragte, dass bei Aus­bleiben ein­er Eini­gung die Schlich­tungs­be­hörde in Anwen­dung von Art. 212 Abs. 1 ZPO einen Entscheid fälle. Dem Bun­des­gericht bot sich dabei die Gele­gen­heit, klarzustellen, dass neben Art. 212 Abs. 2 ZPO, wonach das Ver­fahren vor der Schlich­tungs­be­hörde mündlich ist,…

4D_65/2018: Verfahrenssprache in zweisprachigen Kantonen (amtl. Publ.)

…wer­den. Zunächst ergebe kein Ausle­gungse­le­ment ein solch­es Resul­tat. Im Gegen­teil: Der Wort­laut von Art. 129 ZPO über­lasse die Sprachregelung den Kan­to­nen mit mehr als ein­er Amtssprache gän­zlich sel­ber. Sodann sei es ohne Weit­eres möglich, die Ver­fahrenssprache von der Sprache einzel­ner Prozesshand­lun­gen der Parteien zu tren­nen. Das Bun­des­gericht ver­weist dabei auf die Bes­tim­mungen im BGG sowie ander­er mehrsprachiger Kan­tone (E. 2.5).…

2C_204/2020; 2C_205/2020: Anwaltsaufsicht, Disziplinarverfahren (teilw. amtl. Publ.)

Das Bun­des­gericht entsch­ied in zwei Urteilen (2C_204/2020, welch­es amtlich pub­liziert wird, und 2C_205/2020), dass das anwaltliche Diszi­pli­narver­fahren eine Stre­it­igkeit über zivil­rechtliche Ansprüche i.S.v. Art. 6 Ziff. 1 EMRK darstelle. Es erin­nerte daran, dass der Begriff der “civ­il rights” nicht nur zivil­rechtliche Stre­it­igkeit­en im engeren Sinn, son­dern auch Ver­wal­tungsak­te ein­er hoheitlich han­del­nden Behörde umfasse, sofern sie mass­ge­blich in Rechte und Verpflichtungen…

OGer ZH (110052‑O/Z01) vs. BGer (5A_405/2011): Unentgeltliche Rechtspflege (auch) im Rechtsmittelverfahren?

…Mutwilligkeit — keine Gericht­skosten erhoben wer­den, eben­so für das Rechtsmit­telver­fahren. Zur Begrün­dung heisst es unter anderem: Auf dem Weg zu ein­er ein­heitlichen Prax­is im Zivil­prozess­recht seien abwe­ichende Mei­n­un­gen der kan­tonalen Gerichte wohl nicht nur erlaubt, son­dern auch erwün­scht (E. 2.2). Da das Erheben von Kosten den Nor­mal­fall darstellt (Art. 95 f., 104 ff. ZPO), könne man daraus, dass die Kostenlosigkeit…

2C_657/2023: Anfechtungsobjekte im Einladungsverfahren (Submissionsrecht; zur Publikation vorgesehen)

…die Rüge betr­e­f­fend falsch­er Gewich­tung des Zuschlagskri­teri­ums “Preis” sei ver­spätet erfol­gt. Die Anord­nun­gen in den Auss­chrei­bung­sun­ter­la­gen müssten auch im Rah­men des Ein­ladungsver­fahrens zusam­men mit der Auss­chrei­bung ange­focht­en wer­den. Diese Ansicht stützte das Bun­des­gericht nicht: Es hielt fest, dass das Ein­ladungsver­fahren ohne Auss­chrei­bung ein­geleit­et werde: «Das Ein­ladungsver­fahren zeich­net sich gemäss Art. 20 Abs. 2 IVöB dadurch aus, dass die Ver­gabebe­hörde zwar Auss­chrei­bung­sun­ter­la­gen im Sinne…

8C_501/2013: Gerechtfertigte fristlose Kündigung wegen Privatverkauf von Munitionshülsen der Armee

…die Hülsen wed­er ihm gehörten noch (ohne aus­drück­liche Zus­tim­mung der Arbeit­ge­berin) veräussert, geschweige denn die damit erziel­ten Erlöse ein­be­hal­ten wer­den durften. Ins­beson­dere durfte er auch nicht aus dem behaupteten Umstand, dass Vorge­set­zte vom Sam­meln und Lagern der Hülsen durch ihn Ken­nt­nis gehabt haben sollen, auf eine Dul­dung oder Zus­tim­mung ein­er Veräusserung zur per­sön­lichen Einkom­men­sauf­besserung schliessen. Dass Vorge­set­zte des Beschw­erdegeg­n­ers den Verkauf der Hülsen dulde­ten oder…

9C_70/2022, 9C_76/2022: Unselbständige Erwerbstätigkeit von Uber-Fahrern (amtl. Publ.)

…eige­nen angestell­ten Fahrer beschäftige und/oder das Uber-Geschäft nicht über eine juris­tis­che Per­son abwick­le, zu Recht als Unselb­ständi­ger­wer­ben­den qual­i­fiziert habe (E. 4.1). Ob indessen der jew­eilige Uber-Fahrer eine Einzelun­ternehmung im Han­del­sreg­is­ter habe ein­tra­gen lassen, sei ohne Belang (E. 4.2 ff.). Eben­so sei nicht zu bean­standen, dass die Vorin­stanz in Fällen, in denen der Fahrer eine juris­tis­che Per­son gegrün­det habe (ob mit…

4A_179/2021: Haftungsentlastung der Stadt Zürich bei einem Tramunfall wegen groben Verschuldens des Geschädigten (Art. 40c Abs. 2 lit. b EBG) (amtl. Publ.)

…ver­let­zte, indem er — nach­dem er mit seinem Mobil­tele­fon beschäftigt war — das Tram­trassee betrat, ohne sich zu vergewis­sern, dass auch von links kein Tram nahte. Daran ändert nichts, dass der über sein Mobil­tele­fon gebeugte Fuss­gänger zum gewohn­ten, alltäglichen städtis­chen Strassen­bild gehören mag. Siehe auch die Medi­en­mit­teilung des Bun­des­gerichts vom 16. Juni 2022. Dem Entscheid lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: B wurde…

4A_166/2021: Mittellosigkeit einer Partei im Schiedsverfahren / Prozesskostenhilfe in der Sportschiedsgerichtsbarkeit (amtl. Publ.)

Im zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 4A_166/2021 vom 22. Sep­tem­ber 2021 befasste sich das Bun­des­gericht mit Fra­gen rund um die Mit­telosigkeit ein­er Partei im Schiedsver­fahren.   Der Radren­n­fahrer A. (Beschw­erde­führer) ver­fügte über eine Lizenz der Union Cycliste Inter­na­tionale (UCI, Beru­fungs­beklagte). Der Beschw­erde­führer reichte dem Tri­bunal Arbi­tral du Sport (TAS) eine Beru­fungserk­lärung gegen den Entscheid des UCI Anti-Dop­ing Tri­bunal ein. Gle­ichzeit­ig ersuchte er um Prozesskostenhilfe.…

5A_740/2018: Beweismittel des Betreibenden im Rechtsöffnungsverfahren (frz.; amtl. publ. als BGE 145 III 160)

…Schuld­ners von sum­marischem Charak­ter ist. Das ver­langte Regel­be­weis­mass fordert dabei einen strik­ten Beweis. Beim pro­vi­sorischen Recht­söff­nungsver­fahren han­delt es sich um einen Urkun­den­prozess, der als einzig zuläs­siges Beweis­mit­tel eine Urkunde vor­sieht, die gemäss Art. 82 Abs. 1 SchKG eine Schul­dan­erken­nung enthält (E. 5.1). Jed­er andere Beweis ist deshalb unzuläs­sig. Im vor­liegen­den Sachver­halt war jedoch zu prüfen, ob die vorgelegten Schuld­briefe einen…