4A_273/2012: “klare Fälle” iSv ZPO 257: Einwendungen der Gegenseite müssen nicht glaubhaft, sondern substantiiert und schlüssig sein (amtl. Publ.)

Nach ZPO 257 gewährt das Gericht Rechtss­chutz im sum­marischen Ver­fahren “in klaren Fällen”, d.h. wenn der Sachver­halt liq­uide und die Recht­slage klar ist. Der Sachver­halt muss also ohne zeitliche Verzögerung und ohne beson­deren Aufwand nachgewiesen wer­den kön­nen, in der Regel durch Urkun­den, und zwar mit dem Regel­be­weis­mass des Voll­be­weis­es. Fraglich ist dage­gen, was die Gegen­partei vorzubrin­gen hat, damit der Sachverhalt…

5A_224/2009: Parteistellung bei Weiterziehung eines Konkursdekrets betr. eine GmbH (amtl. Publ.)

Eine über­schuldete GmbH unter­ste­ht densel­ben Vorschriften wie die AG (OR 820 iVm OR 725). Die Über­schul­dungsanzeige erfol­gt auf der Grund­lage eines gülti­gen Beschlusses der Geschäfts­führer. In der Prax­is wird ein Nach­weis für den Beschluss der Geschäfts­führer ver­langt; andern­falls kön­nte ein Geschäfts­führer ein­er GmbH den Über­schul­dungs­fall ohne Rück­sprache mit den anderen Geschäfts­führern anmelden, ohne dass ein gültiger Beschluss vor­liegt. In solchen…

5A_435/2023: Zuständigkeit der Berufungsinstanz für Gesuch um Prozesskostenvorschuss (amtl. Publ.)

Im zur amtlichen Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil 5A_435/2023 vom 21. Novem­ber 2024 hat das Bun­des­gericht entsch­ieden, dass sich die funk­tionelle Zuständigkeit für die Beurteilung eines Gesuchs um Leis­tung eines Prozesskosten­vorschuss­es aus Art. 276 ZPO ergibt. Die Kan­tone sind dies­bezüglich nicht befugt, die funk­tionelle Zuständigkeit im Sinn von Art. 4 ZPO anders zu regeln. Fol­glich ist die mit dem Schei­dungsver­fahren befasste Berufungsinstanz…

2D_10/2024: Willkür im Submissionsverfahren

Im Entscheid 2D_10/2024 vom 11. Novem­ber 2025  äussert sich das Bun­des­gericht zur The­matik der Willkür im Sub­mis­sionsver­fahren. Sachver­halt und Prozess­geschichte Die Gemeinde St. Moritz («Ver­gabebe­hörde») schrieb am 11. Novem­ber 2020 für ein Bau­vorhaben die Elek­troin­stal­la­tio­nen Stark­strom im offe­nen Ver­fahren aus. Das preis­gün­stig­ste von vier einge­gan­genen Ange­boten erhielt mit Ver­fü­gung vom 4. Feb­ru­ar 2021 den Zuschlag; Das Ange­bot der Arbeits­ge­mein­schaft (ARGE)…

4A_66/2014: Stillschweigender Verzicht auf eine Berufungsverhandlung

In ein­er Auseinan­der­set­zung betr­e­f­fend Forderun­gen aus Werkver­trag kon­nte das Bun­des­gericht dar­legen, wann im Beru­fungsver­fahren vor der Rechtsmit­telin­stanz ein Anspruch auf Durch­führung ein­er Beru­fungsver­hand­lung beste­ht. Der Beschw­erde­führer machte gel­tend, die Beru­fungsin­stanz habe ohne Begrün­dung auf eine Ver­hand­lung verzichtet, obwohl er das Pro­tokoll der ersten Instanz bemän­gelt und eine Partei- und Zeu­gen­be­fra­gung durch die Beru­fungsin­stanz ver­langt habe. Durch den Verzicht auf eine…

4A_629/2017: rechtliches Gehör, Prüfungspflicht der Berufungsinstanz für ein reformatorisches Urteil (amtl. Publ.)

…Entscheid wie auch in der Beru­fungss­chrift the­ma­tisiert. Die Vorin­stanz kon­nte ohne Ver­let­zung des rechtlichen Gehörs die weit­eren recht­ser­he­blichen Behaup­tun­gen und Argu­mente der Beschw­erde­führerin zum beantragten Auss­chluss nicht ohne hin­re­ichende Begrün­dung auss­er Acht lassen. Das Bun­des­gericht stellte sodann fest, dass das Oberg­ericht ver­schiedene recht­ser­he­bliche Ele­mente nicht berück­sichtigt hätte (E. 4.3.5). Indem es diese entschei­d­wesentlichen Ele­mente auss­er Acht liess, ohne dies hinreichend…

4A_389/2020: Berechnung des Regressanspruches beim Versorgungsschaden (amtl. publ.)

…– wie auch die Klägerin­nen gel­tend machen – solche Ver­mö­genserträge nur anzurech­nen, soweit sie auch ohne den Tod des Ver­sorg­ers zur Bestre­itung des Leben­sun­ter­halts ver­wen­det wor­den wären (E. 10.4.2). Sei das nicht der Fall – wäre der betr­e­f­fende Einkom­men­steil also ges­part wor­den – wäre das entsprechende Ver­mö­gen ohnehin eines Tages der ver­sorgten Per­son unter Ein­schluss der zwis­chen­zeitlich ent­stande­nen Zin­sen zuge­fall­en. Für…

5A_306/2007: Haftung nach SchKG 5

Im vor­liegen­den Fall stand zum Zeit­punkt, als das Betrei­bungsamt den Arrest­ge­gen­stand freigab, der förm­liche und von der Gläubigerin/Beschwerdeführerin anfecht­bare Entscheid (Pfän­dung­surkunde) über die Voll­streck­barkeit bzw. Pfänd­barkeit des Arrest­sub­strates noch aus. Das BGer beurteilt die Aufhe­bung des Arrests, bevor dem Gläu­biger die Pfän­dung­surkunde zugestellt wor­den ist, als Ver­let­zung ein­er Schutznorm und also als wider­rechtliche Hand­lung. Da aber kein Schaden fest­gestellt werden…

SchKG / Betreibungs- und Konkursstatistik: Deutlicher Zuwachs der Konkurseröffnungen 2009

Das Bun­de­samt für Sta­tis­tik (BFS) ori­en­tierte heute in ein­er Medi­en­mit­teilung über die Betrei­bungs- und Konkurssta­tis­tik für das Jahr 2009. In 2009 verze­ich­nete das BFS 11’600 Konkurs­eröff­nun­gen gegen juris­tis­che und natür­liche Per­so­n­en (+8% ggü. Vor­jahr). Um 4% zugenom­men hat gle­ichzeit­ig auch die Zahl der ordentlichen und sum­marischen Konkurs­erledi­gun­gen. Die daraus ent­stande­nen Ver­luste dage­gen fie­len um 12 Prozent tiefer aus (im Vor­jahresver­gle­ich zu 2008).…

5D_46/2014: Eine interpretationsbedürftige Scheidungskonvention ist kein genügender Rechtsöffnungstitel (Art. 80 SchKG)

Das Bun­des­gericht hat im vor­liegen­den Urteil seine kon­stante Recht­sprechung hin­sichtlich inter­pre­ta­tions­bedürftiger „Recht­söff­nungsti­tel“ bestätigt. Dem Urteil lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Die Ehe zwis­chen X., geb. 1950, und Y., geb. 1949, war mit Urteil vom 7. Jan­u­ar 2009 geschieden wor­den. X. war im Urteil gestützt auf eine entsprechende Vere­in­barung in der Schei­dungskon­ven­tion verpflichtet wor­den, “[…] einen monatlichen nachehe­lichen Unter­halts­beitrag von Fr. 2’500.–…