5A_225/2010: Verhältnis zwischen Schiedsvereinbarung und Rechtsöffnung; (nochmals) zur Verrechnung mit illiquider Forderung (amtl. Publ.)

…Recht­shängigkeit des Schiedsver­fahrens nicht ein gle­ichzeit­iges Recht­söff­nungsver­fahren aus. Im konkreten Fall half der Schuld­ner­in auch die Ver­rech­nung­seinrede nicht. Dass die zur Ver­rech­nung gebrachte Forderung Gegen­stand eines anderen Ver­fahrens war, machte sie noch nicht wahrschein­lich (SchKG 82 II, “sofort glaub­haft”). Auch OR 120 (Ver­rech­nung mit strit­ti­gen Forderun­gen) ändert daran nichts; diese Bes­tim­mung hat nur den Zweck, die Ver­rech­nung nicht auf liquide…

5A_689/2012: Klagen auf Verwandtenunterstützung volljähriger Personen im ordentlichen Verfahren (amtl. Publ.)

Das Kan­ton­s­gericht St. Gallen hat­te entsch­ieden, gestützt auf Art. 329 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 295 ZPO seien Kla­gen auf Ver­wandte­nun­ter­stützung im vere­in­facht­en Ver­fahren zu behan­deln (BGer. 5A_689/2012 vom 3. Juli 2013, E. 2.1). Die anwend­bare Ver­fahrensart bes­timmt im Kan­ton St. Gallen die Zusam­menset­zung des Spruchkör­pers, weshalb die Frage der Ver­fahrensart bedeut­sam war. Im vere­in­facht­en Ver­fahren entschei­det der Einzel­richter am…

4A_544/2021: Anfechtung der Verteilung der Gerichts- und Parteikosten im Schiedsverfahren

Im Entscheid 4A_544/2021 vom 6. Jan­u­ar 2022 bestätigte das Bun­des­gericht seine Recht­sprechung, wonach es sich bei der Verteilung der Gerichts- und Parteikosten um eine Frage des Ver­fahrensrechts und nicht des materiellen Rechts han­delt. Entsprechend ste­ht die Rüge, das Schieds­gericht habe die Kosten willkür­lich ver­legt, im Rah­men von Art. 393 lit. e ZPO nicht offen; einzig ein Ver­stoss gegen den ver­fahrensrechtlichen…

2C_344/2013: Kostenvorschuss in Staatshaftungsverfahren

In einem Staat­shaf­tungsver­fahren gegen den Kan­ton Zürich stellte sich die Frage, welche Kosten­vorschuss­regelung zur Anwen­dung gelangt. Das Oberg­ericht Zürich hat­te erwogen, die ZPO komme als sub­sidiäres kan­tonales Recht zur Anwen­dung. Der Beschw­erde­führer stellte sich demge­genüber auf den Stand­punkt, Staat­shaf­tungsver­fahren seien gemäss der Recht­sprechung öffentlich-rechtliche Ver­fahren, weshalb die Kosten­vorschuss­regelung von § 15 des kan­tonalen Ver­wal­tungsrecht­spflegege­set­zes (VRG) zur Anwen­dung gelange (BGer. 2C_344/2013…

6B_127/2011: Verfahrenskosten bei Sicherheitsleistung

…wer­den, wenn er das Ver­fahren ver­an­lasst oder wesentlich erschw­ert hat. Die Vorin­stanz stimmte diesen Aus­führun­gen im Grund­satz zu, ver­wies aber darauf, dass der ein­deutige Wort­laut des Geset­zes nicht auss­er Acht gelassen wer­den dürfe. Sie entsch­ied, dass der Geschädigte nach Art. 243 Abs. 2 StPO/AR im Falle eines Freis­pruchs ohne Ein­schränkun­gen für die Unter­suchungs- und Gericht­skosten hafte, wenn eine Sicher­heit­sleis­tung verlangt…

4A_166/2021: Mittellosigkeit im Schiedsverfahren / Prozesskostenhilfe in der Sportschiedsgerichtsbarkeit (amtl. Publ.)

…den konkreten Umfang der ihm später vor dem TAS gewährten Prozesskosten­hil­fe hat­te, die sich später nicht erfüll­ten, als Grund­la­genir­rtum. Ohnehin fehle es am Zusam­men­hang zwis­chen der ange­blich im ver­bandsin­ter­nen Ver­fahren her­vorgerufe­nen Fehlvorstel­lung und dem Abschluss der Schiedsvere­in­barung, sei doch die Zus­tim­mung zur Stre­it­erledi­gung durch das TAS bere­its mit dem Abschluss der Lizenz des Beschw­erde­führers erfol­gt. Das Bun­des­gericht bemerk­te, dass der…

8C_310/2014: Unzulässige Substitution im Rahmen des Mandats zur unentgeltlichen Rechtsbeiständin (amtl. Publ.)

…Ein Wech­sel des unent­geltlichen Rechts­bei­s­tandes bedarf der richter­lichen Bewil­li­gung (E. 6.2). Ohne Bewil­li­gung kann deshalb gemäss Bun­des­gericht der Aufwand ein­er sub­sti­tu­ierten Anwalt­skol­le­gin nicht in Rech­nung gestellt wer­den. Wörtlich erwog das Bun­des­gericht (E. 6.3): “Die Beschw­erde­führerin ver­mag nicht darzule­gen, und es find­en sich keine Anhalt­spunk­te in den Akten, dass die Vorin­stanz einen Wech­sel des unent­geltlichen Rechts­bei­s­tandes bewil­ligt und die offen­bar innerhalb…

5A_568/2020: Leistung des eherechtlichen Prozesskostenvorschusses für das Scheidungsverfahren ist keine Prozessvoraussetzung (amtl. Publ.)

…Abs. 1 ZPO falle. Selb­st wenn man davon aus­gin­ge, Art.147 Abs. 1 ZPO umfasse auch pri­va­trechtliche Hand­lun­gen mit bloss­er Reflexwirkung auf einen Prozess, so sei Abs. 2 dieser Norm zu bedenken. Gemäss diesem wird bei Säum­nis das Ver­fahren ohne die ver­säumte Hand­lung weit­erge­führt, auss­er das Gesetz bes­timme etwas anderes. Der Grund­satz ist somit die Weit­er­führung des Prozess­es. Das Nichtein­treten auf die…

BR eröffnet Vernehmlassung zu Änderungen im IPRG für eine erleichterte Anerkennung ausländischer Konkursverfahren

Der Bun­desrat hat am 14. Okto­ber 2015 eine Geset­zes­re­vi­sion in die Vernehm­las­sung geschickt, mit welch­er die Voraus­set­zun­gen und das Ver­fahren der Anerken­nung aus­ländis­ch­er Konkursver­fahren und Nach­lassverträge erle­ichtert wer­den sollen. Zu diesem Zweck sollen u.a. die Art. 166 und 170 ff. IPRG angepasst bzw. ergänzt sowie ein Art. 244a SchKG einge­fügt wer­den. Als wesentliche Änderun­gen wer­den u.a. vorgeschla­gen:  Das sog. Gegenrechtserfordernis…

5A_552/2011: Zustellung durch Behörden im Betreibungsverfahren

Das BGer hat­te sich im vor­liegen­den Urteil mit der Frage der Zustel­lung im Betrei­bungsver­fahren zu beschäfti­gen. Strit­tig war, ob ein Kranken- und Unfal­lver­sicher­er dem Schuld­ner den Entscheid, der den Rechtsvorschlag beseit­igte (SchKG 79 I Satz 2) zugestellt hat­te, weil der Schuld­ner diesen Entscheid bei der Post nicht abge­holt hat­te. Auszuge­hen war von der Recht­sprechung zur Zustel­lung von Entschei­den durch Kranken­ver­sicher­er. Danach…