5A_301/2021: Eingriff in das Existenzminimum bei Schuldneranweisung

Im Urteil 5A_301/2021 vom 21.6.2021 beurteilte das Bun­des­gericht, ob sich ein Ein­griff in das Exis­tenzmin­i­mum des Unter­haltss­chuld­ners im Rah­men ein­er Schuld­ner­an­weisung mit dem Recht auf Hil­fe in Not­la­gen (Art. 12 BV) und dem Willkürver­bot (Art. 9 BV) vere­in­baren lässt. Die Vorin­stanz hielt fest, in das Exis­tenzmin­i­mum des Unter­haltss­chuld­ners könne einge­grif­f­en wer­den, wenn der Unter­halts­gläu­biger darauf angewiesen sei, um sein eigenes Existenzminimum…

5A_77/2022: Berücksichtigung der Hilflosenentschädigung im Kindesunterhalt (amtl. Publ.)

…ein­er Zeit geleis­tet wer­den, in welch­er der Eltern­teil anson­sten ein­er bezahlten Erwerb­stätigkeit nachge­hen würde. Der Betreu­ung­sun­ter­halt soll somit den Ver­lust oder die Min­derung der Erwerb­s­fähigkeit des Eltern­teils aus­gle­ichen, der das Kind betreue (E. 3.3.3). Nach Inkraft­treten des rev­i­dierten Kindesun­ter­halt­srechts hät­ten mehrere kan­tonale Gerichte erwogen, dass die bish­erige Recht­sprechung des Bun­des­gerichts zur Nicht­berück­sich­ti­gung der Hil­flose­nentschädi­gung nicht für den Betreu­ung­sun­ter­halt gelte. Die…

5A_108/2023: Angabe eines Mindestwerts bei unbezifferter güterrechtlicher Forderung

Im Urteil 5A_108/2023 vom 20. Sep­tem­ber 2023 stellt das Bun­des­gericht klar, dass die beklagte Partei im Rah­men ein­er Schei­dung auf Klage nicht verpflichtet ist, für ihre unbez­if­ferte güter­rechtliche Forderung einen Min­dest­stre­itwert anzugeben. Zusam­men­fas­sung Dem hier besproch­enen Fall liegt die Kon­stel­la­tion zugrunde, dass die Ehe­frau als beklagte Partei im Rah­men ein­er Schei­dung auf Klage gegenüber dem kla­gen­den Ehe­mann eine unbez­if­ferte güterrechtliche…

5A_847/2021: Erstmalige Bezifferung der güterrechtlichen Forderung im Schlussvortrag

Im Urteil 5A_847/2021 vom 10. Jan­u­ar 2023 stellt das Bun­des­gericht klar, dass es im Rah­men ein­er unbez­if­fer­ten Forderungsklage zuläs­sig ist, eine güter­rechtliche Forderung erst­mals im Schlussvor­trag zu bez­if­fern. Die Parteien sind bei ein­er unbez­if­fer­ten Forderungsklage nicht verpflichtet, ihre Begehren laufend dem aktuellen Beweis­ergeb­nis anzu­passen. Zusam­men­fas­sung Dem hier besproch­enen Urteil liegt im wesentlichen fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Die Ehe­frau reichte am 18.…

BGE 150 III 1 (BGer 5A_133/2023 vom 19. Juli 2023): Formungültigkeit einer nicht unterzeichneten, handschriftlichen letztwilligen Verfügung mit Namenszug der Erblasserin auf dem Umschlag

…zum Schluss, dass diese let­ztwillige Ver­fü­gung for­mungültig sei. Damit bestätigt es die bish­erige strenge bun­des­gerichtliche Recht­sprechung. 1. Sachver­halt und Prozess­geschichte Die Erblasserin hin­ter­liess eine einzige Schwest­er B als geset­zliche Erbin. In der vor­liegend ange­focht­e­nen, eigen­händi­gen let­ztwilli­gen Ver­fü­gung set­zte sie ihre Cou­sine A als Alleinerbin ein und bes­timmte deren Sohn zum Ersatzer­ben (vgl. Art. 487 ZGB). Ein­lei­t­end schrieb die Erblasserin: «Mein Testament…

5A_495/2010: Erbbescheinigung und Erbenruf; Kostenpflicht des Willensvollstreckers

Mit Urteil vom 10. Jan­u­ar 2011 (5A_495/2010) hat das Bun­des­gericht die Beschw­erde eines Wil­lensvoll­streck­ers gegen eine Erbbescheini­gung abgewiesen. Die ledi­ge und kinder­lose Erblasserin E. hat­te in ihrem Nottes­ta­ment ihre Erben von der Erbfolge aus­geschlossen, ver­schiedene Ver­mächt­nisse ange­ord­net und den Rest­be­trag ein­er Stiftung zugedacht. Nach dem Tod von E. schlossen die Stiftung sowie ihr Brud­er und seine bei­den Töchter eine Vereinbarung.…

5A_825/2021: keine definitive Rechtsöffnung trotz gesetzlicher Grundlage bei Fehlen eines definitiven Rechtsöffnungstitels (amtl. Publ., FR)

Im zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Entscheid 5A_825/2021 vom 31. März 2022 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Frage auseinan­der, ob die defin­i­tive Recht­söff­nung für in einem Gesetz bzw. in ein­er Verord­nung vorge­se­hene Mahn- und Inkas­so­ge­bühren zu erteilen ist, wenn diese Gebühren nicht Gegen­stand ein­er recht­skräfti­gen Ver­fü­gung bilden. Das Bun­des­gericht verneinte dies und kam zum Schluss, dass die defin­i­tive Recht­söff­nung man­gels definitiven…

2C_886/2012: Juristische Personen können nicht Betriebsinhaber eines Familienbetriebes im Sinne von Art. 4 ArG sein (amtl. Publ.)

Im Kan­ton Genf bezweck­te die X. GmbH unter anderem die Führung von Detail­han­dels­be­trieben mit Tankstellen (BGer. 2C_886/2012 vom 29. Juni 2013). Die X. GmbH schloss mit ein­er anderen GmbH einen Ver­trag betr­e­f­fend die Betrieb­süber­las­sung von zwei Tankstellen ab (“con­trat de sous-gérance”), wobei sie sich verpflichtete, Arbeitsverträge nur mit ihren Geschäfts­führern und deren Fam­i­lien­mit­gliedern oder Part­nern (“con­cu­bins”) abzuschliessen. In der Folge…

BGE 151 III 361 (BGer 5A_89/2024 vom 16. Dezember 2024)

…von aus­ländis­chen Trusts das Schweiz­er Pflicht­teil­srecht nicht aus (E. 8.) Sachver­halt und Prozess­geschichte: Der mit let­ztem Wohn­sitz in der Schweiz ver­stor­bene Erblass­er G.A. hin­ter­liess als geset­zliche Erben drei Kinder (A.A., B.A., C.A.) sowie drei Enkel (D.D., E.D., F.D.; Kinder sein­er vorver­stor­be­nen Tochter). Die Erben kon­nten sich anlässlich ein­er Schlich­tungsver­hand­lung über die Teilung der Erbschaft eini­gen. Gestützt auf das vom Erbschaft­samt erstellte…

4A_145/2023: Vorkaufsrecht (amtl. Publ.)

Erbinnen und das andere Grund­stück auf­grund eines Abtre­tungsver­trags auf Rech­nung kün­ftiger Erbschaft auf die bei­den Erben der bei­den ursprünglichen Frauen, welche miteinan­der die gegen­seit­i­gen Vorkaufrechte vere­in­bart hat­ten, über. Die bei­den Erbinnen übertru­gen ein paar Jahre später das Grund­stück an eine GmbH und informierten ein paar Tage nach der Ein­tra­gung der Gesellschaft im Grund­buch die bei­den Erben über den Verkauf. Letztere…