7B_1295/2024: Recht auf telefonischen Kontakt mit der Verteidigung

Im Urteil 7B_1295/2024 vom 19. März 2025 befasste sich das Bun­des­gericht mit dem Recht eines Beschuldigten auf tele­fonis­chen Kon­takt mit sein­er Vertei­di­gung, nach­dem der Häftling um Erteilung ein­er “Dauertele­fon­be­wil­li­gung” für Tele­fonate mit sein­er Vertei­di­gung ersucht hat­te. Die inhaftierte Per­son kann nach Art. 235 Abs. 4 Satz 1 StPO frei und ohne inhaltliche Kon­trolle mit der Vertei­di­gung verkehren. Bei der Vertei­di­gung han­delt es…

6B_5/2011: Nichttragen der Sicherheitsgurte vor roter Ampel (amt. Publ.)

…das Fahrzeug in Bewe­gung sein müsse. Dieser Argu­men­ta­tion wider­spricht das Bun­des­gericht zunächst unter Hin­weis auf den Aus­nah­mekat­a­log des Art. 3a Abs. 2 VRV: 3.1 Ent­ge­gen den Vor­brin­gen des Beschw­erde­führers sind […] nicht bloss unter 25 km/h fahrende Fahrzeuge ausgenom­men, son­dern auch andere Kat­e­gorien von Fahrzeu­gen, und zwar ohne spez­i­fis­che Geschwindigkeits­beschränkun­gen. Die Fahrgeschwindigkeit ist nicht der Grund dieser Aus­nah­meregelung. Auch eine Kollision…

1C_420/2010: Wohnsitz im Sinne des OHG (amtl. Publ.)

…11 Abs. 3 aOHG angewen­det, ohne einen vom Zivil­recht abwe­ichen­den Begriff­s­in­halt auch nur in Erwä­gung zu ziehen (BGE 128 II 107 E. 2 S. 109 mit Hin­weisen; 122 II 315 E. 2a S. 318 […]). Eine Anlehnung an den Wohn­sitzbe­griff gemäss Art. 20 IPRG drängt sich nicht auf, zumal dem Wohn­sitzbe­griff von Art. 11 Abs. 3 aOHG nicht die Rolle…

5A_800/2022: Reformatio in peius im Berufungsverfahren betreffend Kindesunterhalt

…Möglichkeit zu geben, ihre Beru­fung zurück­zuziehen. Das Bun­des­gericht sprach sich dage­gen aus. Es erwog, in Kinder­be­lan­gen gelte der Offizial­grund­satz. Das Gericht entschei­de ohne Bindung an die Parteianträge (Art. 296 Abs. 3 ZPO). Das Ver­schlechterungsver­bot, demzu­folge die Beru­fungsin­stanz das ange­focht­ene Urteil nicht zu Ungun­sten des Beru­fungsklägers abän­dern darf, gelte im Anwen­dungs­bere­ich des Offizial­grund­satzes nicht. Die kan­tonale Rechtsmit­telin­stanz könne die Kinder­al­i­mente sogar…

5D_124/2016: keine Ansetzung einer Nachfrist gemäss Art. 132 ZPO bei bewussten Unterlassungen

…Beschw­erde erheben woll­ten. In der Folge ver­langte B.A. — allerd­ings ohne eine Voll­macht beizule­gen — für A.A. eine Begrün­dung. Das Bezirks­gericht trat auf diesen Antrag nicht ein und aufer­legte B.A. die Spruchge­bühr. Gegen diesen Entscheid gelangten A.A. und B.A. ans Oberg­ericht und macht­en u.a. gel­tend, dass das Bezirks­gericht zuerst eine Nach­frist im Sinne von Art. 132 ZPO hätte anset­zen müssen.…

4A_390/2014: Verträge zwischen denselben Parteien mit unterschiedlichen Schiedsklauseln

…wed­er den “A. Con­tract” ohne das “Debt Trans­fer Agree­ment” abschliessen wollen, noch das “Debt Trans­fer Agree­ment” ohne den “A. Con­tract.” Die Verträge wür­den ein wirtschaftlich­es und rechtlich­es Ganzes bilden. Auf­grund der engen Verzah­nung der Verträge wäre es nach Auf­fas­sung der Beschw­erde­führerin unangemessen, Stre­it­igkeit­en, welche gle­icher­massen den “A. Con­tract” wie auch das “Debt Trans­fer Agree­ment” betr­e­f­fen, durch ver­schiedene Schieds­gerichte beurteilen zu…

4A_271/2013: Folge der unterlassenen Kosteninformation durch Architekten (Präzisierung der Rechtsprechung)

Das BGer bestätigt im vor­liegen­den Urteil die auch ohne beson­dere Vere­in­barung beste­hende Pflicht, den Bauher­rn (Auf­tragge­ber) über die zu erwartenden Kosten zu informieren. Unter­lässt der Architekt wie im vor­liegen­den Fall die entsprechende Aufk­lärung, muss im Einzelfall fest­gestellt wer­den, welch­es konkrete Ver­trauen der Bauherr in die Kosten­in­for­ma­tio­nen des Architek­ten haben durfte. Das BGer hat­te im früheren Urteil 4C.424/2004 jedoch etwas allgemein…

HGer SG in Sachen Denner vs. Espresso: Glaubhaftmachung gescheitert, da Kurzgutachten erforderlich

…tech­nis­che Wis­sen fehle (“… ist es auch unter diesem Gesicht­spunkt unhalt­bar, ohne eigene Sachkunde und ohne Beizug eines unab­hängi­gen gerichtlichen Sachver­ständi­gen auf bestrit­tene Parteibehaup­tun­gen der Beschw­erdegeg­ner­in­nen abzustellen…”), kon­nte das Gericht nicht mehr sagen, eine Marken­rechtsver­let­zung sei glaub­haft. Der Leit­satz des Urteils (Urteil vom 29. August 2011, HG.2011.199) lautet wie fol­gt: “Nach­dem das Bun­des­gericht in seinem Rück­weisungsentscheid aus­führte, für das Urteil im…

Vernehmlassung: Änderung von Art. 141bis StGB

…Zugangs keinen Recht­sanspruch auf die ihm zugekomme­nen Ver­mö­genswerte hat­te. Nach gel­ten­dem Recht macht sich straf­bar, wer Ver­mö­genswerte unrecht­mäs­sig ver­wen­det, die ihm ohne seinen Willen und ohne sein Zutun – typ­is­cher­weise durch eine Fehlüber­weisung – zugekom­men sind (Art. 141bis StGB). Allerd­ings bleibt gemäss der Recht­sprechung straf­los, wer eine Fehlüber­weisung durch eine Täuschung sel­ber ver­an­lasst oder zu ihr beige­tra­gen hat, sofern Arglist…

4A_489/2016- Reico: Ausschlussgrund von Art. 4 MSchG; (hier fehlende) erforderliche Interessenwahrungs- bzw. Loyalitätspflicht (amtl. Publ.)

Die durch das BGer vor­liegend beurteil­ten marken­rechtlichen Stre­it­igkeit war Art. 4 MSchG, der Zeichen vom Marken­schutz auss­chliesst, die ohne Zus­tim­mung des Inhab­ers auf den Namen von Agen­ten, Vertretern oder anderen zum Gebrauch Ermächtigten als Marke einge­tra­gen wer­den oder die nach Weg­fall der Zus­tim­mung im Reg­is­ter einge­tra­gen bleiben. Dieser beson­dere Schutz eines vorbeste­hen­den Drittze­ichens set­zt voraus, dass der Nutzungs­berechtigte gegenüber dem…