4A_424/2011: Mit offensichtlicher Verletzung des Rechts nach Art. 393 lit. e ZPO ist nur eine Verletzung des materiellen Rechts gemeint

Im Entscheid 4A_424/2011 vom 2. Novem­ber 2011 set­zte sich das Bun­des­gericht mit der Rüge auseinan­der, wonach der ange­focht­ene Bin­nen­schiedsspruch willkür­lich im Sinne von Art. 393 lit. e ZPO sei, weil er auf einem fehler­haften Gutacht­en basiere, dessen Ver­fass­er offen­sichtlich befan­gen gewe­sen seien. Das Bun­des­gericht erk­lärte ein­lei­t­end, dass mit der offen­sichtlichen Ver­let­zung des Rechts nach Art. 393 lit. e ZPO nur eine…

2C_1054/2016 & 2C_1059/2016: Zulässigkeit der Anwaltskapitalgesellschaft (amtl. Publ.)

Zwei Anwälte und Ver­wal­tungsräte ein­er in Form ein­er Aktienge­sellschaft organ­isierten Zürcher Anwalt­skan­zlei beantragten bei der Gen­fer Auf­sicht­skom­mis­sion über die Rechtsan­wälte die Zulas­sung zur Beruf­sausübung im Kan­ton Genf. Im Zeit­punkt der Gesuch­sein­re­ichung war ein­er der 39 Aktionäre der Anwalt­skan­zlei ein nicht im Anwalt­sreg­is­ter einge­tra­gen­er diplomiert­er Steuer­ex­perte. Die Auf­sicht­skom­mis­sion über Rechtsan­wälte des Kan­tons Zürich hat­te im Mai 2008 bestätigt, dass die Anwälte die Voraus­set­zun­gen für…

5A_748/2014: Annerkennung eines mittels Leihmutterschaft im Ausland begründeten Kindsverhältnisses ist mit dem schweizerischen Ordre public unvereinbar (amtl. Publ.)

…des schweiz­erischen Ver­botes in Kali­fornien durchge­führt haben, stellt ihr Vorge­hen eine rechtlich rel­e­vante Rechtsumge­hung dar. Grund dafür ist, dass die Rechtsor­d­nung offen­sichtlich um die von ihr beab­sichtigte Wirkung ihrer Vorschriften gebracht wer­den soll […], wobei diese Vorschriften vor der Ver­let­zung der Moral, das öffentliche Inter­esse und die Men­schen­würde schützen sollen […]. Die engen Beziehun­gen der Beteiligten zur Schweiz (Wohn­sitz und…

4A_240/2016: Zulässigkeit des pactum de palmario (amtl. Publ.)

…das erfol­gsab­hängige Hon­o­rar höher sei als das erfol­gsun­ab­hängige; Für den Abschluss des pactum de pal­mario beste­he eine zeitliche Gren­ze: Es dürfe nur zu Beginn des Man­datsver­hält­niss­es oder nach Beendi­gung des Rechtsstre­its abgeschlossen wer­den, nicht aber während des laufend­en Man­dats. Dem Ver­fahren lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Der Beschw­erde­führer (Klient) hat­te am 20. Mai 2008 den Beschw­erdegeg­n­er (Rechtsan­walt) mit der Wahrung sein­er Interessen…

BGE 151 III 361 (BGer 5A_89/2024 vom 16. Dezember 2024)

…sind: Das Trustver­mö­gen eines irrev­o­ca­ble dis­cre­tionary trusts fällt nicht in den Nach­lass. Die zivil­rechtliche Rechtslage kann dies­bezüglich von der steuer­rechtlichen Beurteilung abwe­ichen (E. 5.) Die Ein­räu­mung der Begün­stigten­stel­lung eines irrev­o­ca­ble dis­cre­tionary trusts qual­i­fiziert als Zuwen­dung unter Leben­den (E. 6), ist aber man­gels eines durch­set­zbaren Rechtsanspruchs der Begün­stigten nicht aus­gle­ichungspflichtig (E. 7.) Ver­mö­gen­süber­tra­gun­gen an einen Trust unter­ste­hen grund­sät­zlich der Her­ab­set­zung hebelt die Anerkennung…

2C_1040/2018, 2C_1041/2018: Zugang zu Verfahrensakten der Weko (amtl. Publ.)

…geset­zlichen Auf­gabe unent­behrlich sind. Wed­er müsse das Sank­tionsver­fahren rechtskräftig abgeschlossen sei, noch müsse darin ein Kartell­rechtsver­stoss fest­gestellt wor­den sein. Eben­so sei nicht voraus­ge­set­zt, dass das Sank­tionsver­fahren rechtskräftig abgeschlossen sei. Das Gesuch betr­e­ffe, so das Bun­des­gericht, einen konkreten Einzelfall, da der Kan­ton Aar­gau die Bekan­nt­gabe der Dat­en betr­e­f­fend diejeni­gen Ver­gabev­er­fahren beantragt, in welchen er als Auf­tragge­ber beteiligt war. Es han­dle sich…

5A_134/2009: Aktivlegitimation der ausländ. Konkursverwaltung zur Pauliana (amtl. Publ.)

…nach dem Recht des Konkurs­eröff­nungsstaates. Die Vorin­stanz hat­te angenom­men, nach deutschem Recht sei der Beschw­erdegeg­n­er als Insol­ven­zver­wal­ter befugt, Prozesse in eigen­em Namen und in eigen­er Ver­ant­wor­tung mit Wirkung für die Insol­venz­masse zu führen (InsO 80 I). Dabei blieb es, da das BGer in ver­mö­gen­srechtlichen Angele­gen­heit­en nicht prüfen kann, ob das aus­ländis­che Recht richtig angewen­det wor­den ist (BGG 96 lit. b).…

6B_913/2009: Privatstrafverfahren; rechtsmissbräuchlicher Strafantrag

…anders behan­delt wer­den sollte als der Tatbe­stand des Haus­friedens­bruchs. Der Beschw­erde­führer ver­wandte das all­ge­meine Ver­bot nach dem Gesagten nicht zweck­widrig. Auch liegt keine Ausübung eines mit dem Rechtsin­sti­tut des Eigen­tums verknüpften sub­jek­tiv­en Rechts vor, die über den Sinn des Rechtsin­sti­tuts hin­aus­ge­ht oder dieses infrage stellt […]. Auch die vom Beschw­erdegeg­n­er gel­tend gemacht­en Ein­wände, er sei einem Ver­bot­sir­rtum (Art. 21 StGB) unterlegen…

5A_790/2021: Kollokationsklage und Gerichtsferien (amtl. Publ.)

…die Bes­tim­mungen des SchKG über die Betrei­bungs­fe­rien und den Rechtsstill­stand ver­weist, ist zunächst zu unter­suchen, wie es sich im vor­liegen­den Zusam­men­hang mit der Anwend­barkeit von Art. 56 und Art. 63 SchKG ver­hält. Die Anwen­dung von Art. 63 SchKG set­zt nach der bun­des­gerichtlichen Rechtsprechung die Exis­tenz ein­er Betrei­bung­shand­lung im Sinne von Art. 56 SchKG voraus, Hand­lun­gen der Konkur­sor­gane stellen keine Betreibungshandlungen…

4A_119/2012 (amtl. Publ.): Summarische Prüfung der Schiedsvereinbarung bei einer Schiedseinrede

…ver­hin­dert wer­den, dass der Entscheid des Schieds­gerichts über seine eigene Zuständigkeit (Art. 186 Abs. 1 und 1bis IPRG) durch den Entscheid des staatlichen Gerichts präjudiziert wird. Der Kri­tik in der Lehre gegen diese Rechtsprechung hielt das Bun­des­gericht ent­ge­gen (3.2): Gerecht­fer­tigt ist die in diesem Sta­di­um beschränk­te Kog­ni­tion des staatlichen Gerichts dadurch, dass später im Rah­men der Anfech­tung des Schiedsspruchs die staatliche Rechtsmit­telin­stanz…