5A_782/2021: Widerruf der Prozessstandschaftserklärung zur Geltendmachung von Volljährigenunterhalt

Im Urteil 5A_782/2021 vom 29.6.2022 hält das Bun­des­gericht fest, ein im Laufe des Ver­fahrens volljährig gewor­denes Kind könne die seinem Eltern­teil zu Beginn des Ver­fahrens erteilte Zus­tim­mung zur Gel­tend­machung von Unter­halts­beiträ­gen in Prozess­stand­schaft nachträglich wider­rufen. Das Gericht hat dann einzig noch über den Min­der­jähri­ge­nun­ter­halt zu befind­en; auf Anträge betr­e­f­fend Volljähri­ge­nun­ter­halt hat es nicht einzutreten. Urteil­szusam­men­fas­sung Das Bun­des­gericht räumt Eltern die…

5A_568/2012: Novenrecht im LugÜ-Exequaturverfahren

…die für die Beru­fung aufgestellte Regelung in Art. 317 Abs. 1 ZPO per Analo­gie herange­zo­gen wer­den, zumal sich die Beschw­erde gemäss Art. 327a ZPO in ihrer Aus­gestal­tung der Beru­fung annähert […].  Infolgedessen kön­nen im Rechtsmit­telver­fahren echte Noven (zB ein im Urteilsstaat nachträglich ergan­gener Rechtsmit­te­lentscheid) inner­halb der Rechtsmit­tel­frist ohne Beach­tung eines Zeitrah­mens vorge­bracht wer­den, müssen jedoch ohne Verzug vorge­bracht wer­den, allen­falls im…

4A_639/2023: Eintragungen in ausländischen Handelsregistern sind nicht notorisch (amtl. Publ.)

…inhaltliche Aus­sagege­halt und die Wirkun­gen von Ein­tra­gun­gen in aus­ländis­chen Han­del­sreg­is­tern nicht ohne weit­eres klar und kön­nen nicht als bekan­nt voraus­ge­set­zt wer­den. Die Erk­lärun­gen der Beschw­erdegeg­ner­in in der Beschw­erdeant­wort zum elek­tro­n­is­chen deutschen Han­del­sreg­is­ter, www.handelsregister.de, der dies­bezüglichen Recht­sprechung des deutschen Bun­des­gericht­shofes sowie zur Pub­liz­itätswirkung des deutschen Han­del­sreg­is­ters ver­mö­gen dies nicht zu wider­legen, son­dern zeigen im Gegen­teil exem­plar­isch auf, dass Gehalt und Wirkung…

2C_399/2021, 2C_427/2021, 2C_565/2021: öffentliches Beschaffungswesen, Koordinationspflicht im Beschwerdeverfahren (amtl. Publ.)

…darum, wider­sprüch­liche Entschei­de zu ver­mei­den. Zudem liege es ins­beson­dere nicht ohne Weit­eres auf der Hand, wie die Parteirechte (namentlich der Anspruch auf rechtlich­es Gehör; Art. 29 Abs. 2 BV) aller (noch) am Ver­fahren beteiligten Anbi­eter gewahrt wer­den kön­nten. An ein­er höch­strichter­lichen Klärung dieser spez­i­fisch sub­mis­sion­srechtlichen Frage beste­he (auch) aus Sicht der Vorin­stanzen des Bun­des­gerichts in Bund und Kan­to­nen ein eminentes…

5A_619/2015: Anspruch auf Parteientschädigung für das kantonale Rechtsmittelverfahren bei der Anerkennung eines ausländischen Konkursdekrets (amtl. Publ.)

…Funk­tion als Vorin­stanz. Die Kosten­verteilungsregeln von Art. 106 ff. ZPO seien auf diese Kon­stel­la­tion jedoch nicht zugeschnit­ten, son­dern vielmehr auf das für den Zivil­prozess typ­is­che, stre­it­ige Zweiparteienver­fahren. Deshalb griff das Bun­des­gericht auf Art. 66 BGG zurück, welch­er zwar vor­sieht, dass der öffentlichen Hand unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen keine Gericht­skosten aufer­legt wer­den (Abs. 4), jedoch nicht von der Bezahlung ein­er Parteientschädi­gung befreit…

4A_249/2012: Sistierung im Schlichtungsverfahren: zulässig, aber nur mit Zurückhaltung; Jahresfrist von ZPO 203 IV gilt weiter (amtl. Publ.)

Das BGer hält fest, dass auch ein Schlich­tungsver­fahren nach ZPO 126 sistiert wer­den kann: Nach Art. 126 Abs. 1 ZPO kann das Gericht das Ver­fahren sistieren, wenn die Zweck­mäs­sigkeit dies ver­langt, namentlich wenn der Entscheid vom Aus­gang eines anderen Ver­fahrens abhängig ist. Auch im Schlich­tungsver­fahren muss eine Sistierung zuläs­sig sein, wenn die sofor­tige Durch­führung der Ver­hand­lung unzweck­mäs­sig erscheint. Die Botschaft erwähnt…

8C_864/2013: Die Frage der Rechtshängigkeit im Verwaltungsverfahren hängt nicht einzig vom Verhalten der rechtssuchenden Person ab (amtl. Publ.)

…20. Juli 2010 fest, da der Hebamme an diesem Tag durch schriftliche Mit­teilung die kün­ftige Lohne­in­stu­fung eröffnet wor­den sei. Mithin habe sich die Hebamme zu diesem Zeit­punkt zum ersten Mal konkret zur Lohne­in­stu­fung äussern kön­nen.  Wie vom Ver­wal­tungs­gericht des Kan­tons Zürich aus­ge­führt, seien auf das vor­liegende Ver­fahren die altrechtlichen kan­tonalen Bes­tim­mungen anwend­bar, wom­it die Rechtsmit­tel­frist durch die Hebamme einge­hal­ten wor­den sei.…

2C_276/2016: Amtshilfe in Steuersachen an die Niederlande bei Gruppenersuchen ohne Namensnennung erlaubt

…aus­drück­lich  fest­ge­hal­ten, dass die Iden­ti­fika­tion betrof­fen­er Per­so­n­en auf­grund ander­er Angaben als der­jeni­gen des Namens und der Adresse erfol­gen kann. Die Leis­tung von Amt­shil­fe bei Grup­pen­er­suchen ohne Namen­snen­nung kann [dage­gen] ohne staatsver­tragliche Grund­lage nicht auf [bloss­er] Basis des inner­staatlichen Rechts, namentlich des Steuer­amt­shil­fege­set­zes erfol­gen. Im vor­liegen­den Fall ist davon auszuge­hen, dass die vom BD gestellte Anfrage keine unzuläs­sige «fish­ing expe­di­tion» darstellt…

2C_383/2020: Einvernahme ehemaliger Organe in Kartellsanktionsverfahren als Zeugen (amtl. Publ.)

…müsse, dass das Bun­desver­wal­tungs­gericht eine Befra­gung der ehe­ma­li­gen Organe ohne Gewährung des besagten Aus­sagev­er­weigerungsrechts als unver­w­ert­bar qual­i­fizieren und eine darauf gestützte Sank­tion­ierung der Unternehmen aufheben würde. Entsprechend sei der ange­focht­ene Entscheid materiell nicht als vol­lum­fängliche Abweisung, son­dern als teil­weise Gutheis­sung zu qual­i­fizieren. Eine Beschw­erde gegen diesen Entscheid sei daher zuläs­sig, zumal die Weko anson­sten eine ver­fahrensrechtliche Prax­is etablieren müsse, die…

2C_433/2017: Kartellverfahren — Parteistellung, Akteneinsicht

Das Bun­des­gericht hat­te sich mit Urteil 2C_433/2017 vom 1. Mai 2019 mit der Frage zu befassen, ob ein­er Partei im Kartellver­fahren auf­grund der Ver­fahrensbeteili­gung betrof­fen­er Drit­ter ein nicht leicht wieder gut zu machen­der Nachteil dro­ht, wenn diese Drit­ten im Rah­men des Ver­fahrens Ein­blick in Geschäfts­ge­heimnisse der Partei erhal­ten. Hin­ter­grund des Urteils war das Ver­fahren der Wet­tbe­werb­skom­mis­sion gegen Tele­club AG, CT Cine­trade AG