6B_64/2010: Recht auf Befragung von Zeugen

Das durch Art. 29 Abs. 2 und 32 Abs. 2 BV sowie von Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Recht, Be- und Ent­las­tungszeu­gen zu befra­gen, kann nur wahrgenom­men wer­den, wenn der Antrag rechtzeit­ig und for­mgerecht gestellt wird. Ob der Beweisantrag rechtzeit­ig vorge­bracht wurde, ist unter Berück­sich­ti­gung von Treu und Glauben nach den konkreten Umstän­den des Einzelfalls zu beurteilen.…

4A_96/2011: Prüfung der Angemessenheit der Entschädigung nach FusG 105 I / FusG 105 III vor BGer nicht anwendbar (amtl. Publ.)

Nach FusG 105 I kann ein Gesellschafter unter bes­timmten Umstän­den klageweise ver­lan­gen, dass das Gericht eine angemessene Aus­gle­ich­szahlung fest­set­zt, wenn bei ein­er Fusion, ein­er Spal­tung oder ein­er Umwand­lung die Anteils- oder Mit­glied­schaft­srechte nicht angemessen gewahrt wur­den oder die Abfind­ung nicht angemessen war. Das BGer äussert sich im vor­liegen­den Urteil aus­führlich zur Prü­fung der Angemessen­heit: “Bei der Bes­tim­mung der Angemessen­heit ist…

4A_482/2024 — oder wenn die soziale Untersuchungsmaxime ihre soziale Seite verliert

…Reisezeit­en und Spe­sen. Vertreten war er durch eine gew­erkschaftliche Sekretärin ohne juris­tis­che Aus­bil­dung. Das Arbeits­gericht wies die Klage ab, da der Kläger seine Ansprüche nicht genü­gend sub­stanzi­iert habe, und behan­delte ihn prozes­su­al wie bei anwaltlich­er Vertre­tung, wodurch die soziale Unter­suchungs­maxime eingeschränkt angewen­det wurde. Das Kan­ton­s­gericht Freiburg hob den ersten Entscheid zwar auf und ver­langte eine voll­ständi­ge Sachver­haltsabklärung von Amtes wegen,…

Bundesanwaltschaft: Tätigkeitsbericht 2016

Die Bun­de­san­waltschaft (BA) hat ihren “Tätigkeits­bericht 2016″ veröf­fentlicht: Das ver­gan­gene Jahr war für die Behörde geprägt von grossen Ver­fahrenskom­plex­en im Bere­ich der inter­na­tionalen Wirtschaft­skrim­i­nal­ität und Ver­fahren im Bere­ich des dschi­hadis­tisch motivierten Ter­ror­is­mus. Einen weit­eren Schw­er­punkt bildete die Umset­zung der neuen Strate­gie für die BA in der Amtspe­ri­ode 2016–2019, die auf die Anpas­sung der inter­nen Organ­i­sa­tion und die Schaf­fung neuer Governancestrukturen…

4A_437/2021: Keine selbständige Widerklage gestützt auf Klagebewilligung des Hauptklägers (amtl. Publ.)

…aus irgen­deinem Grund dahin­fällt”, ohne dass gesagt werde, ob dies nur Fälle betr­e­ffe, in denen sie nach Klageein­leitung beim Gericht dahin­falle oder auch, wenn es gar nie zur Klageein­leitung komme. Die Lit­er­atur nenne als Anwen­dungs­fälle übere­in­stim­mend namentlich Ver­gle­ich, Klagean­erken­nung, Klagerück­zug (Art. 241 ZPO) oder Gegen­stand­slosigkeit aus anderen Grün­den. Mit “Weg­fall der Haup­tk­lage” sei ein Weg­fall durch Sachurteil, Urteilssur­ro­gat oder Prozessurteil…

BR: Beginn der Gerichtsferien über die Ostertage bereits am 21. März 2020

…keine Gerichts­fe­rien vorge­se­hen sind, namentlich in drin­gen­den Angele­gen­heit­en sowie Strafver­fahren. Um die Jus­tiz aufrechtzuer­hal­ten, lehnt es der Bun­desrat derzeit ab, Mass­nah­men zu ergreifen, welche den Jus­tiz­be­trieb weit­ge­hend ein­stellen wür­den. Ins­beson­dere verzichtet er darauf, lan­desweit sämtliche Ver­hand­lung­ster­mine zu verta­gen oder auf die Zustel­lung von Urteilen, Entschei­den und Ver­fü­gun­gen zu verzicht­en. Der Bun­desrat weist dabei auch auf den mit den beste­hen­den Ver­fahrensge­set­zen…

4A_487/2015: Beweisanträge müssen den zu beweisenden Tatsachenbehauptungen eindeutig zugeordnet werden

…und umgekehrt. In der Regel sind die einzel­nen Beweisof­fer­ten unmit­tel­bar im Anschluss an die Tat­sachen­be­haup­tun­gen aufzuführen, die damit bewiesen wer­den sollen. Dies ergibt sich ohne weit­eres aus dem Wort­laut der Bes­tim­mungen von Art. 152 Abs. 1 i.V.m. Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO (Recht auf Abnahme von Beweis­mit­teln bei “Beze­ich­nung der einzel­nen Beweis­mit­tel  zu den behaupteten Tat­sachen”; Urteile 4A_452/2013 vom 31. März…

5A_776/2021: Freiburger Rechtsprechung zum “theoretischen Einkommen”

…Das the­o­retis­che Einkom­men ist vom hypo­thetis­chen Einkom­men unter­schei­den. Anders als let­zteres kann es ab Erre­ichung der entsprechen­den Schul­stufe ohne Über­gangs­frist und auch für die Zeit zwis­chen Recht­shängigkeit und Urteil berück­sichtigt wer­den. Es dient einzig dazu, jenen Anteil des Mankos zu bes­tim­men, der auf die Kinder­be­treu­ung zurück­zuführen und über den Betreu­ung­sun­ter­halt auszu­gle­ichen ist. Ob für die Zukun­ft und nach Gewährung einer…

4A_655/2014 (amtl. Publikation): Keine analoge Anwendung von Art. 356 Abs. 2 lit. a ZPO auf die Einsetzung eines Schiedsgutachters

Im Entscheid 4A_655/2014 vom 20. Mai 2015 befasste sich das Bun­des­gericht mit der Ein­set­zung eines Schiedsgutachters. Die Parteien hiel­ten in einem Aktionärs­bindungsver­trag fest, dass wenn sie sich nicht innert ein­er bes­timmten Frist auf den Aktienkauf­preis eini­gen kön­nten, die Verkäuferin die Bew­er­tung durch einen Schiedsgutachter ver­lan­gen könne. Soll­ten sich die Parteien nicht über die Bestel­lung des Schiedsgutachters eini­gen kön­nen, “erfol­gt dessen…

SSG 2024/E/15: Keine Zuständigkeit des Schweizer Sportgerichts für Ethikverstösse vor dem 1. Januar 2022

Im Entscheid SSG 2024/E/15 set­zte sich das Schweiz­er Sport­gericht erst­mals mit der Frage auseinan­der, ob es zur Beurteilung von Ethikver­stössen zuständig ist, die sich vor dem Inkraft­treten des Ethik-Statuts von Swiss Olympic am 1. Jan­u­ar 2022 ereignet haben. In diesem Zusam­men­hang befasste sich das Gericht ver­tieft mit der Ausle­gung der Über­gangs­bes­tim­mungen gemäss Art. 8.2 des Ethik-Statuts vom 1. Jan­u­ar 2022 und…