BGE 150 III 160 (BGer 5A_238/2023 vom 18. März 2024): Die altrechtliche “Zahlvaterschaft” begründet per se keinen Erbanspruch

…Urteil oder der Abschluss eines Unter­haltsver­trags war «ohne Standes­folge», d.h. es wurde damit kein rechtlich­es Kindesver­hält­nis begrün­det. Aus diesem Grund hat­ten die Kinder solch­er sog. «Zahlväter» keine erbrechtlichen Ansprüche (E. 4.5.1.). Sachver­halt Der Beschw­erde­führer A. war der 1958 geborene, mut­massliche Sohn des Erblassers. Der Erblass­er hat­te sich in einem vom 31. Mai 1958 datieren­den Ver­trag zur Leis­tung von Unter­halt­szahlun­gen (monatlich…

4A_340/2018: Anfechtbarkeit von Zwischenentscheiden über die Zuständigkeit zum Erlass von vorsorglichen Massnahmen (amtl. Publ.)

…dass ein Hauptver­fahren ein­geleit­et wird, Zwis­ch­enentschei­de i.S.v. Art. 93 BGG dar (E. 1.1.1, mit Hin­weisen). Ein nicht in einem eigen­ständi­gen Ver­fahren ergan­gener, und damit nicht ohne weit­eres i.S.v. Art. 92 BGG anfecht­bar­er Mass­nahme­nentscheid liegt eben­falls vor, wenn das Gericht auf ein Mass­nah­menge­such man­gels örtlich­er Zuständig nicht ein­tritt. Vielmehr könne ein selb­ständig eröffneter Entscheid über die Zuständigkeit nur dann nach Art. 92…

6B_122/2014: Gültigkeit der Einsprache gegen einen Strafbefehl; Rechtswidrigkeit der urnerischen Verordnung über den Strassenverkehr (amtl. Publ.)

Eine kan­ton­al­rechtliche Bes­tim­mung in der urner­ischen Verord­nung über den Strassen­verkehr (VSV) erweist sich als bun­desrechtswidrig, wie das Bun­des­gericht fest­stellt. Nach Art. 27 Abs. 1 VSV beurteilt die kan­tonale Sicher­heits­di­rek­tion bes­timmte leichte Fälle von Übertre­tun­gen im Strassen­verkehr. Die Sicher­heits­di­rek­tion ist damit Übertre­tungsstraf­be­hörde (vgl. Art. 17 Abs. 1 StPO). Ihr kom­men die Befug­nisse der Staat­san­waltschaft zu (vgl. Art. 357 Abs. 1 StPO);…

SSG 2024/E/6, SSG 2024/E/7, SSG 2024/E/11 und SSG 2024/E/12: Entscheide des Schweizer Sportgerichts zu dessen Zuständigkeit

…Kraft getreten ist) gestrichen wor­den sei. Abschliessend hielt das Schweiz­er Sport­gericht fest, dass es nicht ersichtlich sei, weshalb die Mitar­bei­t­erin von SSI nicht gemäss Art. 8 Abs. 2 Ver­fRegl SSI in den Aus­stand getreten sei oder weshalb SSI nicht gemäss Art. 3 Ver­fRegl SSI eine externe Unter­stützung oder Vertre­tung beige­zo­gen habe, um einen allfäl­li­gen Inter­essenkon­flikt zu ver­mei­den, ohne die Unter­suchung an…

2C_885/2010: Interessenkonflikt eines Anwalts bejaht (Doppelvertretung)

…brin­gen und ihm so einen Vorteil im Schei­dungsver­fahren zu ver­schaffe, und  dem Anwalt 1 (der Ehe­frau) die Erken­nt­nissse des Detek­tivs zugänglich zu machen, und  durch die Vertre­tung des Detek­tivs die Akti­va des Ehe­manns, seines Auf­tragge­bers, zu ver­min­dern und dadurch den finanziellen Erfolg der Ehe­frau im Schei­dungsver­fahren zu schmälern. Ob sich diese Gefahr ver­wirk­lichte, ist ohne Bedeu­tung; die konkrete Gefahr genügt.…

4A_563/2019 (zur Publikation vorgesehen): konkrete Krankentaggeldversicherung als Schadens- oder Summenversicherung?

…erwäh­nt wird. Zudem ist der let­zte AHV-Lohn entschei­dend und die AVB sehen vor, dass die Leis­tung im Fall ein­er Über­entschädi­gung reduziert wer­den kann, sofern nichts Gegen­teiliges aus­drück­lich vere­in­bart wurde (Sum­men­ver­sicherung). Mit anderen Worten gehen die AVB grund­sät­zlich von ein­er Schadensver­sicherung aus. Im Lichte der (weni­gen) Ele­mente, die im Entscheid fest­gestellt wur­den, und da sich A auf (ohnehin irrel­e­vante) Bes­tim­mungen beruft,…

5A_544/2013, 5A_545/2013: Keine Revision solange noch die Beschwerdefrist läuft (amtl. Publ.)

Das Zivil­gericht des Kan­tons Basel-Stadt erteilte in der­sel­ben Beset­zung (ein Richter als Präsi­dent und eine a.o. Gerichtss­chreiberin) in zwei ver­schiede­nen Fällen defin­i­tive Recht­söff­nung gegen die X. AG. In bei­den Ver­fahren wurde jew­eils am 5. Juni 2013 der begrün­dete Entscheid zugestellt. In der Folge machte die X. AG zwei sep­a­rate Eingaben an das Zivil­gericht und ver­langte in bei­den Ver­fahren, dass der begründete…

5A_108/2023: Angabe eines Mindestwerts bei unbezifferter güterrechtlicher Forderung

…eine sog. actio duplex. Die beklagte Partei könne in ihrer Klageant­wort eigene Anträge stellen, ohne formell Widerk­lage erheben zu müssen. Sie sei auch befugt, unter den Voraus­set­zun­gen von Art. 85 Abs. 1 ZPO unbez­if­ferte Anträge zu stellen. Es sei jedoch von der beklagten Partei nicht zu ver­lan­gen, dass sie einen Min­dest­wert als vor­läu­fi­gen Stre­itwert angebe. Der Stre­itwert der güter­rechtlichen Forderung…

1B_314/2011: Aufhebung einer Nichtanhandnahmeverfügung; nicht wieder gutzumachender Nachteil und bedeutende Kosten- oder Zeitersparnis

Die Staat­san­waltschaft BL erliess in einem Strafver­fahren eine Nich­tan­hand­nah­mev­er­fü­gung. Das Kan­ton­s­gericht hob diese Ver­fü­gung auf und wies die Strafver­fol­gungs­be­hörde an, eine Unter­suchung zu eröff­nen sowie weit­ere Abklärun­gen durch Vor­nahme geeigneter Beweis­er­he­bun­gen zu tre­f­fen. Die Staat­san­waltschaft erhob gegen diesen Zwis­ch­enentscheid erfol­g­los Beschw­erde vor dem Bun­des­gericht (Urteil 1B_314/2011 vom 20. Sep­tem­ber 2011). Gegen Vor- und Zwis­ch­enentschei­de ist die Beschw­erde ans Bun­des­gericht nach Art.…

5A_36/2010: Provisorische Rechtsöffnung fällt unter LugÜ 16 Ziff. 5 (amtl. Publ.)

In ein­er Betrei­bung gegen eine schweiz­erische AG stellte die deutsche Gläu­bigerin das Gesuch um pro­vi­sorische Recht­söff­nung (“provR”). Strit­tig war vor BGer lediglich die inter­na­tionale Zuständigkeit der schweiz­erischen Gerichte. Zwar fie­len die Gerichtsstände nach LugÜ 2 und nach LugÜ 16 Ziff. 5 hier zusam­men, doch beruhte die Forderung auf ein­er Vere­in­barung mit abwe­ichen­der Gerichts­standsvere­in­barung. Das BGer musste deshalb die umstrit­tene Frage…