4A_349/2010: Vereinbarung eines Rechtsnachteils bei Obliegenheitsverletzung ohne Kausalität zulässig

VVG 45 I sieht vor, dass ein Recht­snachteil infolge Obliegen­heitsver­let­zung nur bei Ver­schulden des Ver­sicherungsnehmers ein­treten darf. Diese Bes­tim­mung ist zwin­gend. Da VVG 45 aber kein Kausal­ität­ser­forder­nis sta­tu­iert, kön­nen die AVB eines Ver­sicher­ers nach Ansicht des BGer gültig vorse­hen, dass­die Recht­snachteile auch dann ein­treten, wenn die Obliegen­heitsver­let­zung sich nicht aus­gewirkt hat.

4A_187/2010: Erwähnung von Krankheit im Arbeitszeugnis; hier bejaht (amtl. Publ.)

Das BGer fasst die Regeln zur Erwäh­nung von Krankheit­en in Arbeit­szeug­nis­sen zusam­men: Erwäh­nung zwin­gend, falls sie einen erhe­blichen Ein­fluss auf Leis­tung oder Ver­hal­ten des Arbeit­nehmers hat­te; falls sie die Eig­nung zur Erfül­lung der bish­eri­gen Auf­gaben in Frage stellte und damit einen sach­lichen Grund zur Auflö­sung des Arbeitsver­hält­niss­es bildete; Erwäh­nung unzuläs­sig, falls sie geheilt ist und … weit­er­lesen

5A_395/2010: Vermögensrechtliche Natur von Aufsichtsverfahren gegen Willensvollstrecker

Ob dem Stre­it um die Abset­zung des Wil­lensvoll­streck­ers ver­mö­gen­srechtlich­er Charak­ter zukommt, hat das Bun­des­gericht bish­er offen gelassen. Im vor­liegen­den Urteil klärt es diese Frage min­destens teil­weise: “Soweit eine Auf­sichts­beschw­erde gegen den Wil­lensvoll­streck­er durch sein Han­deln in ver­mö­gen­srechtlichen Angele­gen­heit­en ver­an­lasst ist […], kommt auch ihr ver­mö­gen­srechtliche Natur zu. Der Zweck des Auf­sichtsver­fahrens ist dies­falls über­wiegend wirtschaftlich, … weit­er­lesen

4A_397/2010: Anforderungen an die Mahnung nach VVG 20 I

Die Mah­nung iSv VVG 20 muss dem Schuld­ner die Säum­n­is­fol­gen andro­hen. Es genügt nicht, wenn sich die Mah­nung auf den Hin­weis beschränkt “Andern­falls würde Ihre Police nach Ablauf dieser Frist keinen Ver­sicherungss­chutz mehr gewähren (ver­gle­ichen Sie bitte den diesem Schreiben beige­fügten Auszug aus dem Bun­des­ge­setz über den Ver­sicherungsver­trag)”, unter Beilage eines Geset­ze­sauszugs. Es könne, wie … weit­er­lesen

5A_36/2010: Provisorische Rechtsöffnung fällt unter LugÜ 16 Ziff. 5 (amtl. Publ.)

In ein­er Betrei­bung gegen eine schweiz­erische AG stellte die deutsche Gläu­bigerin das Gesuch um pro­vi­sorische Recht­söff­nung (“provR”). Strit­tig war vor BGer lediglich die inter­na­tionale Zuständigkeit der schweiz­erischen Gerichte. Zwar fie­len die Gerichtsstände nach LugÜ 2 und nach LugÜ 16 Ziff. 5 hier zusam­men, doch beruhte die Forderung auf ein­er Vere­in­barung mit abwe­ichen­der Gerichts­standsvere­in­barung. Das BGer … weit­er­lesen

4A_302/2010: BGer bestätigt Schutzunfähigkeit von “Madonna (fig.)” als Marke wg. Sittenwidrigkeit (amtl. Publ.)

Madon­na (fig.) Das BGer hat das Urteil des BVer­wGer bestätigt, das dem Zeichen “Madon­na (fig.)” den Marken­schutz wegen Sit­ten­widrigkeit iSv MSchG 2 d ver­sagt hat (vgl. dazu unseren früheren Beitrag). Aus Sicht der katholis­chen Chris­ten beze­ich­net der Aus­druck “Madon­na” die Mut­ter­gottes. Eine Kom­merzial­isierung dieser Beze­ich­nung wäre geeignet, die religiösen Gefüh­le der katholis­chen Chris­ten zu verletzen.DIese … weit­er­lesen

FINMA-Bulletin 1/2010: Grenzüberschreitendes Geschäft

Am 12. Okto­ber 2010 hat die FINMA das erste FIN­­MA-Bul­letin veröf­fentlicht. Dazu die Mit­teilung der FINMA: “Die Eid­genös­sis­che Finanz­mark­tauf­sicht FINMA gibt wie eine ihrer Vorgänger­be­hör­den, die Eid­genös­sis­che Bankenkom­mis­sion (EBK), ein Bul­letin her­aus, das die wichti­gen Entschei­de der FINMA sowie des Bun­des­gerichts und des Bun­desver­wal­tungs­gerichts wiedergibt.” Das Bul­letin 1/2010 bet­rifft vor allem das gren­züber­schre­i­t­ende Geschäfts die … weit­er­lesen

6B_689/2010; 6B_690/2010: Betrug; Opfermitverantwortung von Behörden

X und Y, bei­de seit mehreren Jahren Sozial­hil­feempfänger, hat­ten in dem von ihnen unterze­ich­neten Unter­stützungs­ge­such wahrheitswidrig angegeben, Y sei arbeit­s­los. Tat­säch­lich erzielte dieser als Hauswart der von ihnen bewohn­ten Liegen­schaft ein monatlich­es Einkom­men von Fr. 400.–. Hier­für wur­den sie wegen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB) zu ein­er bed­ingten Geld­strafe verurteilt. Die dage­gen ein­gelegte Beschw­erde … weit­er­lesen

Gesetzesänderung zur Strafverfolgung schwerster Verbrechen

Der Bun­desrat hat Geset­zesän­derun­gen für eine Strafver­fol­gung von Völk­er­mord, Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit sowie Kriegsver­brechen auf den 1. Jan­u­ar 2011 in Kraft geset­zt (siehe Geset­ze­sen­twurf und Botschaft). Die Änderun­gen des Strafge­set­zbuch­es (StGB) und des Mil­itärstrafge­set­zes (MStG) bein­hal­ten ins­beson­dere die Schaf­fung eines neuen Tatbe­standes der Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit und eine detail­lierte Def­i­n­i­tion von Kriegsver­brechen sowie … weit­er­lesen